Erich Schirhuber

Zum Beispiel im Süden
Lyrische Texte aus Europa

2010, 138 Seiten, franz. Broschur,

17,90 € (A),17,40 € (D)

ISBN 978-3-902300-55-3

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Buchinfo

In Erich Schirhubers Lyrikband fungieren die Orte als Ausgangspunkte für Assoziationen, die vom realen Schauplatz abstrahieren, in Geschichte und Mythologie, auch in persönliche Gefühle und Obsessionen des Autors oder zu biographischen Elementen von Schriftstellern, Künstlern, historischen Persönlichkeiten führen: Das Salzkammergut als Schauplatz von Irrfahrten, mit oder ohne Thomas Bernhard – und Eiskaffee; Triest als mythenumranktes Reiseziel von Jason und den Argonauten, Ort des Mordes an Johann Joachim Winckelmann, die Stadt, in der James Joyce lebte und an der Öltanker aus Dubai langsam vorbeifahren; Ostia, die Antike und der gewaltsame Tod Pier Paolo Pasolinis, um nur einige wenige Beispiele der realen und geistigen Reisen im allumfassenden Sinn zu nennen.

Und so umkreisen die Texte ihren Ausgangspunkt in unterschiedlicher Entfernung, mit unterschiedlich weiten Radien – als Endpunkte langer Assoziationsreihen oder als unmittelbare Benennung persönlichen Erlebens – einmal sentimental und von Tagträumen getragen, ein ander Mal von Ironie und elegantem Spott.

Ein Buch, das Lust auf individuelles Reisen auf höchsten Niveau macht oder die eigenen Erfahrungen retrospektiv ergiebig bereichert.

In altgewohnter Weise und in unverwechselbarem Tonfall gehen die Gedichte dieses einzigartigen österreichischen Schriftstellers von Reisen aus und auf Reisen zurück.
Die Texte in sich sind topographisch und erinnern an kleine Reisezyklen: der Norden Deutschlands, Bayern, das Salzkammergut in Österreich, die friulanische Küste ...
Von der ersten bis zur letzten Seite sochlerart geschrieben, dass man am liebsten sofort Koffer packen möchte.

zur Person

Erich Schirhuber, geb. 1955 in Bad Vöslau/Niederösterreich, studierte Germanistik und Theaterwissenschaften, Dissertation über Thomas Bernhard bei Wendelin Schmidt-Dengler, lebt dzt. in Wien. Arbeitet(e) Erich Schirhuber u. a. als Journalist, Literaturkritiker und Verlagsangestellter, so ist er seit 1983 bei den Büchereien Wien tätig, seit 1999 als Lektoratsleiter ebendort. Lehraufträge hatte er an der Fachhochschule für Medienberufe in Eisenstadt und an der Universität Wien und Graz. Er ist seit 35 Jahren literarisch tätig: zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitungen, Zeitschriften und Anthologien in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Belgien und – in Übersetzung – in Italien und Ungarn (u. a. in: Furche, Lichtungen, Literatur und Kritik, Morgen, Protokolle, Salzburger Nachrichten, Wiener Journal, podium, Sterz, Orte, Dulzinea, Krautgarten); Beiträge in ORF und RAI; Artikel und Essays zu bibliothekarischen Fragen, zur aktuellen Literatur und zum Buch- und Medienmarkt in Zeitungen und Fachzeitschriften; langjähriges Vorstandsmitglied bei "Podium Neulengbach" und "Österreichische DialektautorInnen"; etliche Preise und Stipendien; Lesungen in Österreich, Deutschland und Italien. Bisher erschienene Lyrikbände: Die Pfeife geputzt, Wien 1995; de anterln fan diaknschanzbark. Dialektgedichte, Krems 1996; versuche zu heimaten, Krems 2000.

Rezensionen

Reimlose Reiselyrik
Wenn Erich Schirhuber (geboren 1955 in Bad Vöslau) auf Reisen geht, hat er Schreibzeug und Bücher im Gepäck und Literaturassoziationen im Kopf. Gute Voraussetzungen also für "lyrische Texte aus Europa", die in Gestalt reimloser, rhythmisch strukturierter Verse auftreten und sich durch eine weitgehend unsentimentale Betrachtungsweise auszeichnen, sowie durch die Tendenz zu lakonischen Schlusspointen. "unter einer Linde sitze ich mit/einem Buch" in Millstatt (es sind Rilkes "Duineser Elegien"); in Griffen (Handkes Geburtsort) "kann man sich nicht anders fühlen als/wunschlos unglücklich"; in Ohlsdorf (wo Thomas Bernhard wohnte, über den Schirhuber dissertiert hat) "klebt ein Plakat/darauf steht/Sonntag Sautrogregatta/was soll man mehr sagen/eigentlich". Und wenn dem poetisch gestimmten Reisenden einmal kein Dichter in den Sinn kommt, reflektiert er historische Denkwürdigkeiten, deren es genug gibt in Aquileia, Mainz, München, Passau, Rom, Triest, Worms oder Zwettl.
David Axmann (Wiener Zeitung, Printausgabe, 07. August 2010