Erich Schirhuber/Zum Beispiel im Süden Erich Schirhuber
Zum Beispiel im Süden
Lyrische Texte aus Europa
2010, 138 Seiten, franz. Broschur,
ISBN 978-3-902300-55-3
€ 17,90
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BUCHINFORMATION


Ein Buch, das Lust auf individuelles Reisen auf höchstem Niveau macht oder die eigenen Erfahrungen retrospektiv ergiebig bereichert.
 
In altgewohnter Weise und in unverwechselbarem Tonfall gehen die Gedichte dieses einzigartigen, österreichischen Schriftstellers von Reisen aus und auf Reisen zurück.
 
Die Texte in sich sind topographisch und erinnern an kleine Reisezyklen: der Norden Deutschlands, Bayern, das Salzkammergut in Österreich, die friulanische Küste ...
 
Von der ersten bis zur letzten Seite solcherart geschrieben, dass man am liebsten sofort die Koffer packen möchte.

ZUR PERSON


Erich Schirhuber,
geb. 1955 in Bad Vöslau/Niederösterreich, studierte Germanistik und Theaterwissenschaften, Dissertation über Thomas Bernhard bei Wendelin Schmidt-Dengler, lebt derzeit in Wien.
 
Arbeitet(e) Erich Schirhuber u. a. als Journalist, Literaturkritiker und Verlagsangestellter, so ist er seit 1983 bei den Büchereien Wien tätig, seit 1999 als Lektoratsleiter ebendort. Lehraufträge hatte er an der Fachhochschule für Medienberufe in Eisenstadt und an der Universität Wien.
 
Er ist seit 35 Jahren literarisch tätig: zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitungen, Zeitschriften und Anthologien in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Belgien und – in Übersetzung – in Italien und Ungarn (u. a. in: Furche, Lichtungen, Literatur und Kritik, Morgen, Protokolle, Salzburger Nachrichten, Wiener Journal, podium, Sterz, Orte, Dulzinea, Krautgarten); Beiträge in ORF und RAI; Artikel und Essays zu bibliothekarischen Fragen, zur aktuellen Literatur und zum Buch- und Medienmarkt in Zeitungen und Fachzeitschriften; langjähriges Vorstandsmitglied bei „Podium Neulengbach“ und „Österreichische DialektautorInnen“; etliche Preise und Stipendien; Lesungen in Österreich, Deutschland und Italien.
 
Bisher erschienene Lyrikbände: Die Pfeife geputzt, Wien 1995; de anterln fan diaknschanzbark. Dialektgedichte, Krems 1996; versuche zu heimaten, Krems 2000.

ZUM BUCH


In Erich Schirhubers Lyrikband fungieren die Orte als Ausgangspunkte für Assoziationen, die vom realen Schauplatz abstrahieren, in Geschichte und Mythologie, auch in persönliche Gefühle und Obsessionen des Autors oder zu biographischen Elementen von Schriftstellern, Künstlern, historischen Persönlichkeiten führen: Das Salzkammergut als Schauplatz von Irrfahrten, mit oder ohne Thomas Bernhard – und Eiskaffee; Triest als mythenumranktes Reiseziel von Jason und den Argonauten, Ort des Mordes an Johann Joachim Winckelmann, die Stadt, in der James Joyce lebte und an der Öltanker aus Dubai langsam vorbeifahren; Ostia, die Antike und der gewaltsame Tod Pier Paolo Pasolinis, um nur einige wenige Beispiele der realen und geistigen Reisen im allumfassenden Sinn zu nennen.
 
Und so umkreisen die Texte ihren Ausgangspunkt in unterschiedlicher Entfernung, mit unterschiedlich weiten Radien – als Endpunkte langer Assoziationsreihen oder als unmittelbare Benennung persönlichen Erlebens – einmal sentimental und von Tagträumen getragen, ein ander Mal von Ironie und elegantem Spott.

PRESSESTIMMEN



Büchereien aktuell, Dezember 2010


Wien.at, Dezember 2010


Bücherschau, Dezember 2010


Morgenschtean, November 2010


Rudolf Kraus, 2010


City Live, Oktober 2010

Reimlose Reiselyrik
Wenn Erich Schirhuber (geboren 1955 in Bad Vöslau) auf Reisen geht, hat er Schreibzeug und Bücher im Gepäck und Literaturassoziationen im Kopf. Gute Voraussetzungen also für „lyrische Texte aus Europa“, die in Gestalt reimloser, rhythmisch strukturierter Verse auftreten und sich durch eine weitgehend unsentimentale Betrachtungsweise auszeichnen, sowie durch die Tendenz zu lakonischen Schlusspointen. „unter einer Linde sitze ich mit/einem Buch“ in Millstatt (es sind Rilkes „Duineser Elegien“); in Griffen (Handkes Geburtsort) „kann man sich nicht anders fühlen als/wunschlos unglücklich“; in Ohlsdorf (wo Thomas Bernhard wohnte, über den Schirhuber dissertiert hat) „klebt ein Plakat/darauf steht/Sonntag Sautrogregatta/was soll man mehr sagen/eigentlich“. Und wenn dem poetisch gestimmten Reisenden einmal kein Dichter in den Sinn kommt, reflektiert er historische Denkwürdigkeiten, deren es genug gibt in Aquileia, Mainz, München, Passau, Rom, Triest, Worms oder Zwettl.
Wiener Zeitung, David Axmann, Printausgabe, 07. August 2010



„Ich bin eine Art Richter über die Unsterblichkeit“
 
Meine Welt/Erich Schirhuber schreibt nebenbei und widmet sich hauptberuflich dem Lesen.
 
Dass Erich Schirhuber gerne reist, beweist er mit seiner Doktorarbeit, die er über die Authentizität Thomas Bernhard schrieb. Dabei bereiste er all jene Orte, über die Bernhard schrieb: Die Orte sind echt! In einem Wiener Park ging er sogar die angegebenen Schritte ab „die stimmen auch“, sagt Erich Schirhuber, der bei Wendelin Schmidt-Dengler dissertierte. Noch heute reden ihn seine Dissertanten-Kollegen (u. a. Robert Menasse) auf seine „Diss“ an und so wurde er zum Schrittezähler.
Schirhuber schaut gerne dahinter, davor, darunter und zählt, bevor er erzählt - und das tut er gerne mit seinem Augenzwinkern. „ES“ versucht in seinen Texten die ernsten Dinge mit einer gewissen Komik und Heiterkeit zu beschreiben; am Schreiben fasziniert ihn, dass man zu Menschen sprechen kann, die man weder kennt, sieht oder jemals kennen lernen wird: „Mit Humor kann man vieles sagen, mir ist alles zu ernst und zu tragend“ und die Menschen gingen ihm zu oft in den Keller lachen. Komisch sein fällt ihm also nicht schwer, dafür lange sitzen - „i sitz' net gern am Arsch“ - das hält er gar nicht aus, deshalb könne er auch keinen Roman schreiben, da muss man ja ewig dran sitzen, „ich bin mehr fürs Pointillistische.“ Aufgewachsen ist „ES“ ohne Sitzfleich in Berndorf, dann zog es ihn nach Wien zum Studieren. Die Lust am Lesen packte ihn erst als 19-Jährigen, davor „hatte ich mehr Mopedfahren im Kopf.“ Und mit dem Lesen kam auch bald der Drang zu schreiben. Und bis heute begleitet den 55-Jährigen das Schreiben. Er habe sich aber nie getraut, „Vollerwerbs-Schriftsteller“ zu werden. Es sei schwer, als Schriftsteller ausreichend Brot zu verdienen. Deshalb verdient er die großen Brötchen mit dem Lesen: Er ist Lektoratsleiter für Medienerwerbung Belletristik bei den Büchereien Wien, ein Job, der sich ruhig und beschaulich anhört, aber eine ziemlich nervenaufreibendeTätigkeit ist: „Man glaubt immer, dass man als Beamter zu Mittag ins Büro kommt und schaut ob's Arbeit gibt.“ Bibliotheken sind der Aktualität verpflichtet, rund 2000 Romane wandern im Jahr über seinen Tisch: „Die können nicht alle gelesen werden“, sagt Schirhuber, der diese Fülle an Büchern liebt, weil „ein Buch zu lesen ist ein sinnliches Erlebnis man kann es angreifen, daran riechen, es streicheln ...“ Unzählige Bücher wandern über seinen Schreibtisch und würden so gerne von ihm berührt und gestreichelt werden. Aber leider, nicht jedes Buch wird von Schirhubers Händen berührt: „Ich bin eine Art Richter über die Unsterblichkeit“, formuliert er es überspitzt und meint es natürlich ironisch, aber Bücher sind für ihn eine Idee von Unsterblichkeit; wer ein Buch schreibt, wird unsterblich, und wenn das Buch dann auch noch Einzug in eine Bibliothek hält, dann ist die Unsterblichkeit quasi amtlich manifestiert.
Bücher werden auch in Zeiten von E-Books, Kindle und iPad nicht aussterben, und wenn sie ein Schirhuber gelesen hat, dann kann eigentlich mit der Unsterblichkeit auch nix mehr schief gehen ...
NÖN, Sandra Sagmeister, Woche 35/2010

Gedichte für sich alleine gelesen, würden unter dem Auge des Lesers zusammenfallen wie die berüchtigten Salzburger Nockerln. Der kluge Lyriker montiert diesen anfälligen Texten immer auch einen Halt hinzu in Form eines deklarierten Kontexts.
 
Erich Schirhuber ist ein Lyriker, der um diese Zerbrechlichkeit weiß. In seinen lyrischen Texten aus Europa stellt er jeweils eine zerbrechliche Besonderheit dar und verfestigt sie durch triviale Zeilen aus dem sogenannten Presse-Alltag.
 
Am Eingangsgedicht „Café Elefant“ lässt sich diese Methode gut erklären. In einer Stadt, begrenzt von deinem Sportplatz und dem Bahnhof, gibt es das Caf Elefant, worin Zeitungen aufliegen. Die fehlenden werden vielleicht als Wunsch hinzu geträumt, die vorhandenen mit Kopfschütteln gelesen.
 
Tatsächlich will laut „Kleine Zeitung“ jemand nicht mehr mit Salzgurken handeln, während es in der erträumten „Il Stampa“ vielleicht um einen Bergrutsch in Görz geht. Irgendwie wird ein betrunkener Austropopper angehalten, während es irgendwo zu einem Zweitligaspiel zwischen Vöcklabruck und Red Bull Juniors kommt. „Ich kann mir einbilden zu verstehen, was ich lese.“ (12)
 
Die große und die kleine Welt, das historisch Versunkene und das auf die grüne Wiese Hingeknallte, das Gelesene und das Erlebte stehen Zeile für Zeile mit einander sinnvoll verfugt zwischen den Elementen sichtbarer Text und erdachter Kontext.
 
In den Gedichten wird das selbstverständlich Erwartete gerade zu fleiß nicht angesprochen, wie etwa in „Griffen“ (23), wo man sich über Fassaden, Kirche, Totenruhe quasi selbst hin betteln muss zum erlösenden Begriff „wunschlos unglücklich“, wenigstens in einer Fügung ist Handke aufgetaucht.
 
In der Alpenfestung am Toplitzsee, dem Fjord der Alpen, sind womöglich die größten Rätsel versenkt, aber darin schwimmt nur eine Ente und macht quaqua. (28)
 
Die einzelnen Kapitel über Norddeutschland, Bayern, Salzkammergut, Friaul, Rhein oder Donau sind mit patriotisch augenzwinkernden Mega-Headlines solcher Kaliber wie Handke, Hemingway, Theroux, Heine, Fontane, Sage von der Lorelei und Laube eingesponnen.
 
Diese geographisch-historischen Highlights werden in den Gedichten freilich schmunzelnd dechiffriert und auf das zurückgeführt, was sie jeweils sind: lokale Mythen, die vielleicht überall auf der Welt gleich ausschauen. So ist Duino einfach ein Gebäude, indem verklärte Dichter geschrieben haben, in Trier sitzt ein geheimer Doppeladler und wird Poppo genannt, weil es für Leopold nicht reicht, eine Zugsfahrt nach München ist gespickt mit trivialen Orten, an denen jeweils das Besetzt-Zeichen am WC aufleuchtet.
 
Was es mit der Sehnsucht auf sich hat, steht im wunderbaren Gedicht „Stadt der Träume'':
wenn man sich verfahren hat / bei Ried-Nord / ins Industriegebiet und / durch Ried-Zentrum / wieder nach Ried-Nord / und kein Wegweiser / nach Vöcklamarkt / dann wird Vöcklamarkt ein / Sehnsuchtsort ein / Ort der Träume wie für / manche Timbuktu oder / Shangri-La oder / wie / Jerusalem (34)
Erich Schirhubers Gedichte sind von jener feinen Selbstverständlichkeit, die in der Lyrik nicht selbstverständlich ist. - Wunderbar.
Lesen in Tirol, Helmuth Schönauer, 22. Juli 2010

Nadja Rösner-Kirsch lud zum kulturellen Sommerfest in die Verlagsräume in die Mödlinger Badstraße.

NÖN, Woche 24/2010

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