
ad Dorothea Macheiner: Frau JEAN, 2009
Zu den Bestsellern gehören derzeit Historische Romane – “Fra Jean” ist auch einer, aber doch von sehr besonderer Art: ansetzend im Malta der Vorzeit, bei den Megalithtempeln der Magna Mater, begleitet Dorothea Macheiner die LeserInnen über das Ravenna Theoderichs und Galla Placidias nach Verona und schließlich zurück nach Malta, in die Zeit Jean de Valettes, als das omanische Heer gegen die Festungen der Johannesritter anrannte, vergeblich bekanntlich.
Doch bleibt die Autorin als erzählende Person, als Ich stets präsent, berichtet von den Eindrücken auf ihren Reisen, manchmal von – soll man sagen: Visionen? Einzelne Orte scheinen Orten besonderer Art zu sein, Theoderich wird ihr ein Gesprächspartner, ebenso die Madonna auf einer Ikone und Gestalten auf Gemälden Caravaggios. Mystische Stimmungen greifen Raum und die Faszination für die beiden Gestalten, für den ostgotischen König und den Großmeister der Ordensritter. Detailliert studierte sie vorhandene Quellen, die naturgemäß zu Valette umfangreicher sind, zu diesem Leben zwischen Sklavendienst auf einer Galeere und dem geschichtsmächtigen Sieg 1565.
Auf Malta, zwischen alten Palastmauern und prähistorischen Kultstätten, ergreift längst Vergangenes immer mehr von ihr Besitz und die finale Frage taucht auf: Sind ihr Theoderich und Fra Jean etwa näher, als es für möglich gilt? Näher als sie selbst es je für möglich hielt?
Wo der Homo Faber Verstiegenheit wird entdecken wollen, ist doch vielmehr eine Öffnung hin zum schwer Denkbaren, zum Geheimnisvollen. Der Rezensent kennt aus eigener Anschauung den Zauber einiger dieser Stätten, von San Vitale in Ravanna, von Hagar Qim und Mnajdra auf Malta, und steht also nicht an, der Autorin bereitwillig gefolgt zu sein auf ihrer Reise durch die Zeit.
podium, Erich Schirhuber, Doppelheft 157/158, 2010
ad Wolfgang Jedlicka: Von der menschlichen Dummheit, 2010
Zum 70er etwas Druckfrisches
Der langjährige Richter und Vizepräsident der Richtervereinigung Wolfgang Jedlicka hat in der Sala Terrena in Mödling sein Buch „Von der menschlichen Dummheit oder über die Gefahr erwachsen zu werden“ präsentiert. Selbiges hat sich der Autor quasi zum 70. Geburtstag geschenkt. Zu beiden Anlässen gratulierten unter anderem Verlagsinhaberin Nadja Rösner-Krisch, Bürgermeister Hans Stefan Hintner, Kulturstadtrat Paul Werdenich, Max Friedrich, der das Vorwort zu diesem Buch verfasst hat, der Kurator des Gauermann-Museums Bernhard H. Kratzig, der das Titelbild beigesteuert hat, sowie die Schriftstellerkollegen Susanne Dobesch, Elisabeth Stifter, Heinrich Thaler und Hilde Langthaler.
NÖN, Woche 42/2010, St. Pölten
ad Susanne Dobesch/Elisabeth Stifter: Von der Seife ins Fettnäpfchen, 2010
Tipps und Kniffe im Job
Studium der Tollheiten / Die Autorinnen Susanne Dobesch und Elisabeth Stifter legten ein Business-Benimmbuch vor.
Über Businesscodes und andere Stolpersteine kann man sich in dem neuen Essay-Werk der beiden Autorinnen Susanne Dobesch und Elisabeth Stifter „Von der Seife ins Fettnäpfchen“ schlau machen, das vor kurzem in der Edition Roesner erschienen ist.
In ihren pointierten Essays samt historischen Weisheiten, Tipps und kniffeligen mathematischen Denkanstößen führen die Autorinnen einen Dialog mit der Leserin, aber auch dem geneigten Leser. Es ist wie ein „Supermarkt des guten Benehmens“, in dem es an Sarkasmen, Satirischem und Spöttereien nicht fehlt. Die Frage wirft sich auf: Lösen die beiden Autorinnen gar Adolph Freiherr Knigge ab? Ein absolutes „Must-have“ für jede Aktentasche, das, laut Buchumschlag, garantiert den Psychiater erspart. Dobesch lebt seit 30 Jahren großteils in Bad Sauerbrunn.
Susanne Dobesch ist seit 30 Jahren großteils in Bad Sauerbrunn wohnhaft.
Geboren wurde sie in Wien, wo sie zum Doktor der Rechte promovierte. „1999 entscheid ich, mich ausschließlich der Schriftstellerein zu widmen“, so Dobesch, die 2004 den dritten Platz bei „Vinum et Litterae“ belegte. Die Autorin ist Mitglied des P.E.N-Clubs. „Mit meiner Partnerin und Freundin Elisabeth Stifter betreibe ich eine Akademie für Businesscodes, in der wir regelmäßig Trainings abhalten“ erzählt Dobesch.
Elisabeth Stifter, gleichfalls eine gebürtige Wienerin, ist Managerin bei IBM Österreich. Beide Autorinnen studierten zeitweilig gemeinsam an der „Universität der allgemeinen Tollheiten“.
Burgenländische Volkszeitung Woche 26/2010, Eisenstadt
ad Erich Schirhuber: Zum Beispiel im Süden, 2010
Reimlose Reiselyrik
Wenn Erich Schirhuber (geboren 1955 in Bad Vöslau) auf Reisen geht, hat er Schreibzeug und Bücher im Gepäck und Literaturassoziationen im Kopf. Gute Voraussetzungen also für „lyrische Texte aus Europa“, die in Gestalt reimloser, rhythmisch strukturierter Verse auftreten und sich durch eine weitgehend unsentimentale Betrachtungsweise auszeichnen, sowie durch die Tendenz zu lakonischen Schlusspointen. „unter einer Linde sitze ich mit/einem Buch“ in Millstatt (es sind Rilkes „Duineser Elegien“); in Griffen (Handkes Geburtsort) „kann man sich nicht anders fühlen als/wunschlos unglücklich“; in Ohlsdorf (wo Thomas Bernhard wohnte, über den Schirhuber dissertiert hat) „klebt ein Plakat/darauf steht/Sonntag Sautrogregatta/was soll man mehr sagen/eigentlich“. Und wenn dem poetisch gestimmten Reisenden einmal kein Dichter in den Sinn kommt, reflektiert er historische Denkwürdigkeiten, deren es genug gibt in Aquileia, Mainz, München, Passau, Rom, Triest, Worms oder Zwettl.
Wiener Zeitung, David Axmann, Printausgabe, 7. August 2010
ad Erich Schirhuber: Zum Beispiel im Süden, 2010
Gedichte für sich alleine gelesen, würden unter dem Auge des Lesers zusammenfallen wie die berüchtigten Salzburger Nockerln. Der kluge Lyriker montiert diesen anfälligen Texten immer auch einen Halt hinzu in Form eines deklarierten Kontexts.
Erich Schirhuber ist ein Lyriker, der um diese Zerbrechlichkeit weiß. In seinen lyrischen Texten aus Europa stellt er jeweils eine zerbrechliche Besonderheit dar und verfestigt sie durch triviale Zeilen aus dem sogenannten Presse-Alltag.
Am Eingangsgedicht „Café Elefant“ lässt sich diese Methode gut erklären. In einer Stadt, begrenzt von deinem Sportplatz und dem Bahnhof, gibt es das Caf Elefant, worin Zeitungen aufliegen. Die fehlenden werden vielleicht als Wunsch hinzu geträumt, die vorhandenen mit Kopfschütteln gelesen.
Tatsächlich will laut „Kleine Zeitung“ jemand nicht mehr mit Salzgurken handeln, während es in der erträumten „Il Stampa“ vielleicht um einen Bergrutsch in Görz geht. Irgendwie wird ein betrunkener Austropopper angehalten, während es irgendwo zu einem Zweitligaspiel zwischen Vöcklabruck und Red Bull Juniors kommt. „Ich kann mir einbilden zu verstehen, was ich lese.“ (12)
Die große und die kleine Welt, das historisch Versunkene und das auf die grüne Wiese Hingeknallte, das Gelesene und das Erlebte stehen Zeile für Zeile mit einander sinnvoll verfugt zwischen den Elementen sichtbarer Text und erdachter Kontext.
In den Gedichten wird das selbstverständlich Erwartete gerade zu fleiß nicht angesprochen, wie etwa in „Griffen“ (23), wo man sich über Fassaden, Kirche, Totenruhe quasi selbst hin betteln muss zum erlösenden Begriff „wunschlos unglücklich“, wenigstens in einer Fügung ist Handke aufgetaucht.
In der Alpenfestung am Toplitzsee, dem Fjord der Alpen, sind womöglich die größten Rätsel versenkt, aber darin schwimmt nur eine Ente und macht quaqua. (28)
Die einzelnen Kapitel über Norddeutschland, Bayern, Salzkammergut, Friaul, Rhein oder Donau sind mit patriotisch augenzwinkernden Mega-Headlines solcher Kaliber wie Handke, Hemingway, Theroux, Heine, Fontane, Sage von der Lorelei und Laube eingesponnen.
Diese geographisch-historischen Highlights werden in den Gedichten freilich schmunzelnd dechiffriert und auf das zurückgeführt, was sie jeweils sind: lokale Mythen, die vielleicht überall auf der Welt gleich ausschauen. So ist Duino einfach ein Gebäude, indem verklärte Dichter geschrieben haben, in Trier sitzt ein geheimer Doppeladler und wird Poppo genannt, weil es für Leopold nicht reicht, eine Zugsfahrt nach München ist gespickt mit trivialen Orten, an denen jeweils das Besetzt-Zeichen am WC aufleuchtet.
Was es mit der Sehnsucht auf sich hat, steht im wunderbaren Gedicht „Stadt der Träume'':
wenn man sich verfahren hat / bei Ried-Nord / ins Industriegebiet und / durch Ried-Zentrum / wieder nach Ried-Nord / und kein Wegweiser / nach Vöcklamarkt / dann wird Vöcklamarkt ein / Sehnsuchtsort ein / Ort der Träume wie für / manche Timbuktu oder / Shangri-La oder / wie / Jerusalem (34)
Erich Schirhubers Gedichte sind von jener feinen Selbstverständlichkeit, die in der Lyrik nicht selbstverständlich ist. - Wunderbar.
Lesen in Tirol, Helmuth Schönauer, 22. Juli 2010
ad Erich Schirhuber: Zum Beispiel im Süden, 2010
Ich bin eine Art Richter über die Unsterblichkeit“
Meine Welt/Erich Schirhuber schreibt nebenbei und widmet sich hauptberuflich dem Lesen.
Dass Erich Schirhuber gerne reist, beweist er mit seiner Doktorarbeit, die er über die Authentizität Thomas Bernhard schrieb. Dabei bereiste er all jene Orte, über die Bernhard schrieb: Die Orte sind echt! In einem Wiener Park ging er sogar die angegebenen Schritte ab „die stimmen auch“, sagt Erich Schirhuber, der bei Wendelin Schmidt-Dengler dissertierte. Noch heute reden ihn seine Dissertanten-Kollegen (u. a. Robert Menasse) auf seine „Diss“ an und so wurde er zum Schrittezähler.
Schirhuber schaut gerne dahinter, davor, darunter und zählt, bevor er erzählt - und das tut er gerne mit seinem Augenzwinkern. „ES“ versucht in seinen Texten die ernsten Dinge mit einer gewissen Komik und Heiterkeit zu beschreiben; am Schreiben fasziniert ihn, dass man zu Menschen sprechen kann, die man weder kennt, sieht oder jemals kennen lernen wird: „Mit Humor kann man vieles sagen, mir ist alles zu ernst und zu tragend“ und die Menschen gingen ihm zu oft in den Keller lachen. Komisch sein fällt ihm also nicht schwer, dafür lange sitzen - „i sitz' net gern am Arsch“ - das hält er gar nicht aus, deshalb könne er auch keinen Roman schreiben, da muss man ja ewig dran sitzen, „ich bin mehr fürs Pointillistische.“ Aufgewachsen ist „ES“ ohne Sitzfleich in Berndorf, dann zog es ihn nach Wien zum Studieren. Die Lust am Lesen packte ihn erst als 19-Jährigen, davor „hatte ich mehr Mopedfahren im Kopf.“ Und mit dem Lesen kam auch bald der Drang zu schreiben. Und bis heute begleitet den 55-Jährigen das Schreiben. Er habe sich aber nie getraut, „Vollerwerbs-Schriftsteller“ zu werden. Es sei schwer, als Schriftsteller ausreichend Brot zu verdienen. Deshalb verdient er die großen Brötchen mit dem Lesen: Er ist Lektoratsleiter für Medienerwerbung Belletristik bei den Büchereien Wien, ein Job, der sich ruhig und beschaulich anhört, aber eine ziemlich nervenaufreibendeTätigkeit ist: „Man glaubt immer, dass man als Beamter zu Mittag ins Büro kommt und schaut ob's Arbeit gibt.“ Bibliotheken sind der Aktualität verpflichtet, rund 2000 Romane wandern im Jahr über seinen Tisch: „Die können nicht alle gelesen werden“, sagt Schirhuber, der diese Fülle an Büchern liebt, weil „ein Buch zu lesen ist ein sinnliches Erlebnis man kann es angreifen, daran riechen, es streicheln ...“ Unzählige Bücher wandern über seinen Schreibtisch und würden so gerne von ihm berührt und gestreichelt werden. Aber leider, nicht jedes Buch wird von Schirhubers Händen berührt: „Ich bin eine Art Richter über die Unsterblichkeit“, formuliert er es überspitzt und meint es natürlich ironisch, aber Bücher sind für ihn eine Idee von Unsterblichkeit; wer ein Buch schreibt, wird unsterblich, und wenn das Buch dann auch noch Einzug in eine Bibliothek hält, dann ist die Unsterblichkeit quasi amtlich manifestiert.
Bücher werden auch in Zeiten von E-Books, Kindle und iPad nicht aussterben, und wenn sie ein Schirhuber gelesen hat, dann kann eigentlich mit der Unsterblichkeit auch nix mehr schief gehen ...
NÖN, Sandra Sagmeister, Woche 35/2010
ad Milan Ráček: HochZeiten/Vznešené okamžiky, 2009
Wo und wann geheiratet wird
Milan Racek setzt mit seinem fünften belletristischen Werk die Erzählungen aus dem Grenzgebiet Tschechien – Wald- und Weinviertel fort. Diesmal sind die vier Hochzeitsgeschichten zweisprachig zu lesen. Sie stammen aus den 60er bis 90er Jahren. Ob er sich im Wirtshaus wie in Leo 1999, Das Jubiläum 2001 und Die Rückkehr 2003 von Erzählungen und „G’schichten“ Einheimischer inspirieren ließ, scheint wahrscheinlich. Sind doch die Paare und Verwandten stets im Tschechischen oder Österreichischem angesiedelt. Daraus ergeben sich bereits kulturelle und sprachliche Differenzen, bzw. ist es die Vergangenheit der nach dem II. WK deutschsprachigen Ausgesiedelten, die sie in ihrer Erinnerung bewahrt haben.
Für Konfliktstoff der heiteren Art ist durch den Generationskonflikt sowie durch die verschieden strenge oder konservative Erziehung der Söhne oder Töchter gesorgt. Hie und da gibt es ein Aufmüpfigsein gegenüber den anstrengenden Gepflogenheiten, wie aufwendig man eine Hochzeit auszurichten hat, oder eine große Skepsis, genährt durch Erfahrung, ob Heiraten überhaupt notwendig sei.
Geheiratet wir jedoch erfolgreich, ob zu Weihnachten, ob in der Stunde vor der Einberufung zum Militär oder auch, wenn Hindernisse wie z.B. Unfälle, fehlende Zeugen eine Stunde vor der Trauung erst bewältigt werden müssen. Die Hochzeitsnacht findet im Krankenhaus oder im kleinen Zelt im Garten statt und bei jeder Erzählung ist man auf das nächste Desaster gespannt.
Da die Spannung stets bis zum Happy End durchgehalten wird, humorvoll und einfühlsam die Familienkonstellationen durchleuchtet werden und das bilinguale Werk viele historische und kulturell differenzierende Details enthält, ist das Buch genauso wie die vorhergehenden Romane wärmstens zu empfehlen.
etcetera, orte: wo, Eva Riebler, Oktober 2010
ad Dorothea Macheiner: Frau JEAN, 2009
Esoteric Guidance for dreamers of Malta’s past
It is a well known phenomenon that literary works of the Post Modern Period have lost their belief in certainty, in fixed forms, and in traditional patterns of narration. Contemporary novels and literary essays – even of a substantial length – are very often labeled as ‘sketches’, ‘attempts’, ‘experiments’, or just ‘notes’. The narrative structure features fragments, interruptions, and deviations. The belief in the truth per se has been lost; there is uncertainty, vagueness, and the transmission of a feeling that ‘facts’ and ‘events’ and their protagonists are not as what they seem. Readers are expected to follow these labyrinths of reasoning, these very often queer ways of developing a story, and the collages of various elements of so-called ‘reality’. This can be hypnotic and thrilling if the author is a master of the language and a sensitive setter of metaphors, allegories, symbols, and hints. The title of Dorothea Macheiner’s latest work already indicates it: Fra Jean. Eine Vermutung is not a history book, nor is it a fictional novel, nor a travelogue, nor…. It is a very personal approach to two important figures of European history, the Goth King Theodoric (the Great) and Jean de Valette, grand master of the Order of St John and hero of the Great Siege of Malta 1565. But Malta’s ancient past is also not forgotten. Macheiner parallels her own memories of early childhood with the creation of the concept of the prehistoric mother earth and fertility cults as documented in the Malta Temples.
Basically Fra Jean. Eine Vermutung is a tour de force through over thousand years of Mediterranean history and Mediterranean culture and interlinks; from Early Christianity in Ravenna under Theodoric the Great, King of the Goths, from the capital of the Byzantine empire Constantinople to Valletta, the capital of the Order of St John. It is also a document of the strong and lasting presence of Christianity in the basin of the Mediterranean. The author, of course, does not want to bore his readers with pure facts and analysis. Her work is a mishmash of histories immersed in a very individual esoteric approach towards some of the leading figures of European history. In fact the topic of reincarnation forms one of the backbones of the plot. Without trying to discuss in depth the efforts of the author to embed the main protagonists of her book in the mysteries of the genesis of Mediterranean culture and humanity, of pre-historic concepts of the mother earth, and the light of love and to parallel the life of Theodoric the Great, Grand Master Valette, and her own, one has to admit that there was a lot of reading involved to put these characters in their proper context. We hear about Arianism, the form of Catholicism adapted by the Gothic rulers, about various echoes of paganism in Christian cults, about the religious concepts of the prehistoric Maltese temple builders, the rule and ethics of the brethren of the Order. All this is knit together in a narrative structure marked by flashbacks and fragments of memories. This sort of film-like narration with montage and cuts is sometimes a hard nut to crack for the reader. In fact there is a good taste of a l’art pour l’art production in Fra Jean. Eine Vermutung.
In terms of historical facts, the major part of Macheiner’s book is based on Bridget Cassar Olivier’s monograph The Shield of Europe. The Life and Times of Valette (1977), a book long out of print. We read about de Valette’s childhood and youth in the south of France, the land of the troubadours, and immersed in a Mediterranean orientated culture. We follow the young man through his enrolment in the Order, his spell on Rhodes, his participation in the caravans of the Order against Muslim seafarers, and his presence when Rhodes was attacked by the armada of Suleiman the Magnificent in 1522. Valette and his brethren had to undergo a seven-year-long odyssey through Italy and France until finally, in 1530, Charles V ceded to them the Maltese islands in ‘free and noble fief’. There is some able depiction of the complicated environment of the Order in the mid-16th century, a scene marked by Spanish-Ottoman antagonism and the French approach to the Ottomans. Valette more than once participated in the Spanish campaigns against cities and ports at the North African coast, namely in the expeditions against Tunis and Goletta. There are some words about some of the main opponents of the knights, Kheiredin Barbarossa and Dragut. Malta and Gozo came in the European limelight when they were attacked by joint Ottoman-North African forces in 1551, an attack culminating in the complete sacking of Gozo and the enslavement of most of its population. ‘Fra Jean’ kept on fighting in the first row as a captain in the naval forces of the Order and later as governor of Tripoli.
Valette subsequently rose to the highest office of the Order. That it was his able leadership which was most probably the decisive force that Malta did not surrender to the Ottomans in the Great Siege is universally known. Macheiner’s book, however, does not conceal the fact that soon after the Great Siege his harsh regimen led to much tension between the knights and the local population and that the veteran hero was much disliked by many.
The reader is then introduced to the scene when Malta turned from Medieval times to the Early Modern period. It was the period when the fortress city of Valletta was being built and the former headquarters of the knights was moved from Birgu to the new capital. Flashes on North African Tripoli and reflections on the Madonna dei Greci close this heterogeneous circle of narration. There are some blunders when it comes to factual truth; in St John’s not only grand masters are buried, as Macheiner maintains, and in 1113 there existed no Order as yet: it was then a brotherhood without a clearly defined rule. But these errors certainly do not count much in a book which is not meant to be read as a history book.
What for some might be disturbing is the rather pretentious language. In the blurb the book is presented as a ‘vision’ which concerns all of us. This ‘concern’ certainly does not apply to all of us, especially not for those who have certain reservations against esoteric thoughts and the idea of reincarnation. For tourists and aficionados of Mediterranean culture who like to have some esoteric guidance when diving into the mysteries of Malta’s chequered past, the book will have its value. What remains to say? We still lack a substantial monograph on Grand Master Jean de Valette.
Thomas Freller in: The Sunday Times, Malta, 25. Juli 2010
ad Dorothea Macheiner: Frau JEAN, 2009
DOROTHEA MACHEINER liest aus „FRA JEAN“
Dorothea Macheiner, geboren in Linz, in Salzburg und Wien lebend, wagt sich in ihrem neuen Buch „Fra Jean. Eine Vermutung“ (Edition Roesner) an ein großes Thema, den Mythos; das, was vergangen ist und nie vergeht, was uns alle angeht, immer.
Und sie bewältigt diese ihre selbstgestellte Aufgabe souverän dank verschiedener Zugänge von epischer Emphase bis historischer Dokumentation, dank eingearbeiteter Brüche und Collagetechnik.
Von der Großen Mutter über Theoderich bis zu Fra Jean de Valette, Großmeister der Johanniter auf Malta, geht die zeitlich-räumliche Reise- und bis zur „Vermutung“. Lassen Sie sich überraschen!
Rupertus Buchhandlung/Salzburg, 17. Juni 2010
ad Milan Ráček: HochZeiten/Vznešené okamžiky, 2009
Tschechische „HochZeiten“
Bilingual, tief verwurzelt in tschechischer Zeitgeschichte und tschechischem Sprachgefüge, pflegt Milan Rácek einen dezent distanzierten Umgang mit den schmerzlichen Schatten, die Drittes Reich und Sowjetdiktatur immer noch werfen. Er lässt sie nur da und dort zwischen den grotesken Wirrungen hervortreten, in denen sich viermal schicksalhaft Paarfindung ereignet.
Da wirft ein angehender Mediziner nächtens seine Instrumententasche, in der sich auch seine Personaldokumente befinden, in die Moldau. Mit den abenteuerlichen Bemühungen, sie wiederzuerlangen beginnt eine Kette von Turbulenzen, deren letztes Glied das große Glück zu zweit verspricht. Jedenfalls landet der Protagonist am Ende in den Fängen einer ungestümen Liebhaberin, die aus dem Luxusmilieu ihrer im Sowjetkommunismus privilegienkorrumpierten Eltern in seine bohemienhaften Arme flüchtet.
Warum der Sohn eines von Haus und Hof Vertriebenen ausgerechnet die Toch-ter jener Familie heiratet, die jetzt dieses Haus bewohnt, warum sich am Heili-gen Abend ein Standesbeamter findet, der die Trauung vollzieht, obwohl jener mit aufgekrempelten Hosenbeinen und sein Vater im Trainingsanzug vor ihm erscheinen, was die subversiven Agitationen der Republik Schafberg sollen - all das sei dem Leser nicht verraten.
Ebenso möge er selber lesend erkunden, warum die Tiere im Zoologischen Garten von Olmütz jedes Mal opulent bewirtet werden, wenn zwanzig Fahrstunden entfernt eine Hochzeit auf dem Lande stattgefunden hat.
Eine Brautmutter, die sich vor den Hochzeitsgästen im Schrank versteckt, ein potentieller Schwiegersohn, der am Weihnachtsabend seine brandneuen Luxus-Jeans versäuft und damit Tanjas Herz - anscheinend für ´s ganze Leben - gewinnt, Rooming-in für Brautleute im weihnachtlichen Spital, vom Kompost-Haufen geklaute, ein Jahr alte Wildscheinklobasse als Trauungsfestschmaus, dem Autor mangelt es nicht an bizarren Einfällen, bizarren Figuren und Bildern, die planwirtschaftlich bedingte Kargheit persiflieren.
Wo die Liebe hinfällt, wächst zwar weiterhin geschichtliches Unkraut, aber es lässt sich besser ertragen oder sogar handhaben. Alkohol und klischeehaft geplante, aber dann aus allen konventionellen Rämchen fallende Feste helfen dabei.
Politische Ereignisse als katastrophale Einbrüche zu erzählen ist eine der großen Stärken des Autors. Just vor dem Hochzeitstag erhält da der frisch gebackene Ehemann seinen Einberufungsbefehl. Wenige Stunden nachdem er das Haus verlassen hat, erfährt die junge Braut, dass die Sowjetpanzer durch die Straßen rollen. Alle Verständigungsmöglichkeiten sind unterbunden. Wird der Befehl zum aussichtslosen militärischen Widerstand kommen? Die Eindringlinge sind über ihren Besatzungsbefehl kaum weniger bestürzt als die Überfallenen. Ein russischer Soldat bittet den Bräutigam um eine Zigarette - und erhält sie.
Alle vier Erzählungen verlaufen nach ähnlichem Muster, mit ironischem Blick auf menschliche Schwächen, karikiert durch unerwartete, launig erzählte Pannen. Die politischen, in den zwischenmenschlichen Bereichen immer noch spürbaren, Nachbeben bilden ein pastellfarbenes Zeitkolorit, unaufdringlich aber auch unverlogen. Das Buch hält, was in einem der Lektüre vorangestellten Satz versprochen wird: „Für alle jene, die gerade eine der beiden Sprachen (Anm.: Tschechisch oder Deutsch) lernen oder zweisprachiges Lesen genießen.“
www.kultur-online.net, Franz Blaha, 12. Juli 2010. Driesch Verlag, Driesch Kulturzeitschrift #1
ad Susanne Dobesch/Elisabeth Stifter: Von der Seife ins Fettnäpfchen, 2010
Gutes Benehmen ist gefragt
Der Businessalltag ist voller Stolpersteine. Erwischt man einen, lässt sich mit Sicherheit sagen, dass der rettende Ausfallschritt ein Tritt ins Fettnäpfchen wird. Gut, dass die in diesen Dingen versierten Autorinnen Susanne Dobesch und Elisabeth Stifter mit Charme und feinem Witz einen Leitfaden in Sachen Businesscodes geben. Lesenswerter Spott mit netten Ausflügen in die Mathematik. Denn vieles im Leben ist Berechnung.
Format Nr. 21, 28. Mai 2010, Wien
ad Rudolf Kraus: tausend schritte neben mir, 2008
In den bildreichen und sehr persönlichen Gedichten von Rudolf Kraus spiegeln sich die männlichen Sehnsüchte und Gefühle des zeitgenössischen österreichischen Autors wider – einerseits zeitlos menschlich in den Empfindungen und Formulierungen, andererseits zeitgemäß im Witz und der manchmal durchscheinenden Resignation. Der 1961 in Wiener Neustadt geborene Lyriker und Prosaautor, der seit 1999 regelmäßig Literatur veröffentlicht, führt die Leser in seine intime Welt der Empfindsamkeit, Verletzbarkeit und Verwirrung, die entsteht, wenn er sich bedingungslos seinen Gefühlen hingibt und sich selbst „tausend schritte neben sich“ wiederfindet. Liebestaumel wechseln mit morbider Gelassenheit (z.B. „auf wahres glück / folgt meist verderben / ein kleines stück / vom echten sterben“ oder „ich bin frei / endlich frei / nichts steht mir mehr im wege / auser ich selbst“ oder auch „das ende liegt immer / unter der erde / aber seine seele / lacht auf ewig“).
Eine schöne Verführung in die pure Poesie – wehmutig im süßen Schmerz mit einem Hauch von Totessehnsucht. Einfach österreichisch – und eine Empfehlung!
podium, Erich Schirhuber, Doppelheft 155/156, April 2010
ad Milan Ráček: HochZeiten/Vznešené okamžiky, 2009
Tschechisch-österreichische Jumelage im Zeichen der Erweiterung der Horizonte.
In den Verlagsräumlichkeiten der Edition Roesner konnte Verlagsleiterin Nadja Rösner-Krisch am Freitag beim tschechisch-österreichischen Fest mit einer Lesung von Milan Racek zahlreiche Gäste begrüßen.
Das Motto „Grenzen überschreiten - Horizonte erweitern“ wurde bewusst gewählt, „als Signal gegen Rechtstendenzen in Österreich aber auch weltweit“, so Rösner-Krisch.
Das von Racek präsentierte Buch „HochZeiten“, das in Tschechisch und Deutsch erschienen ist, ist ein Pilotprojekt für eine bilinguale Schriftenreihe.
Rösner-Krisch: „Die meisten von uns sprechen Englisch, die wenigsten jene Sprachen unserer unmittelbaren Nachbarn, und das, obwohl viele von uns tschechische Wurzeln haben.“
Kulturstadtrat Paul Werdenich eröffnete, anwesend waren auch Politiker aus der Partnerstadt Vsetin.
NÖN 15/2010, Gaby Schätzle, April 2010
ad Heinrich Eggerth: 80 plus, 2010
Du bist jung geblieben, sagt man zu ihm. Der Alte freut sich, aber er glaubt es nicht. Er macht Inventur. Wie fühlt es sich an, alt zu sein? Das ist etwas Neues für ihn. Erinnerungen? Natürlich auch. Abschied von so manchem. Aber ist man nicht froh, so manches losgeworden zu sein? Der Autor sieht: Die Welt ist anders geworden, aber sie ist. Man kann noch lächeln über sich selbst. Was bleibt einem anderes übrig?
morgen, 3/2010
ad Dorothea Macheiner: Frau JEAN, 2009
Einleitende Worte der österreichischen Botschafterin Dr. Caroline Gudenus anlässlich der Buchpräsentation „Fra Jean - Eine Vermutung“ am 10. März in Valletta
Es ist mir eine besondere Freude, Sie heute Abend hier begrüßen zu dürfen und Ihnen ein Buch vorstellen zu können, dass sich in origineller Weise mit Malta – aber nicht nur mit Malta – beschäftigt. Eine österreichische Autorin, Frau Mag. Dorothea Macheiner - eine vielgereiste Autorin – begibt sich auf diese geschichtsträchtige Insel und lässt ihre Gedanken wandern. Sie webt ein wunderbares Spinnennetz, möchte ich sagen - im Zentrum davon Fra Jean de la Vallette, der Großmeister des Malteser Ritterordens, Bezwinger der Türken in der Großen Belagerung und Erbauer von Valletta. Dieses Spinnennetz ist an verschiedensten Punkten festgemacht, insbesondere an Theoderich dem Großen und Ravenna, aber auch an Tripolis, an Tunis, am österr. Erzherzog Ludwig Salvator, an den steinzeitlichen Tempeln in Malta und Gozo und der Magna Mater in ihren verschiedensten Erscheinungsformen. Dazwischen sind in dieses feine Spinnennetz viele andere Fäden eingesponnen – kriegsgeschichtliche, kulturgeschichtliche, familiengeschichtliche, persönliche, religiöse, metaphysische – historische Fakten, persönliche Erfahrungen, spirituelle Vermutungen – es entsteht ein vielschichtiges, buntes, schillerndes Gewebe. Es werden gleichzeitig eine Fülle interessanter historischer Fakten und weiter Spielraum für eigene Gedankenwanderungen durch die Epochen und die Baudenkmäler Maltas geboten.
Ich möchte dem Deutsch-Maltesischen Zirkel, ganz besonders Frau Kidder, herzlich für ihr Engagement danken, für die Organisation dieses Abends, herzlichen Dank auch an Michael Galea, der ja auch an der Entstehung des Buches beteiligt war.
Ihnen, meine Damen und Herren wünsche ich einen vergnüglichen Abend, der Sie dazu verführen möge, sich in diesem schillernden Spinnennetz eines Buches einfangen zu lassen.
Dr. Caroline Gudenus, österreichische Botschafterin in Malta, März 2010
ad Walter Kreuz: Karlas Lauf gegen die Raumzeit, 2008
Eigenvögel - Parallelwirklichkeiten. Ereigniskoordinaten. Textcollagen.
Lindenbaum und Weidenbaum. Eine Wiener Straßenbahnlinie. Eine 20-Jährige namens Karla Zelenku, die aus der neurologischen Abteilung einer Krankenanstalt flieht. Parallelwirklichkeiten. Ereigniskoordinaten. Textcollagen. Karlas Lauf gegen die Raumzeit lässt Raum für Assoziationen. Geschrieben in einer „sprudelnden“ Sprache „äthert“ diese Erzählung, die sich dem Erzählen auf spielerische Art verweigert, nur so „hierher“.
Der Inhalt ist leicht zusammengefasst: Karla flieht aus der Psychiatrie und findet Zuflucht in einer Straßenbahn. Dort begegnet sie Achmed, einem Koch aus dem Nildelta, der gerade ein Gespräch mit seinen früheren Vermietern führt. Beim Aussteigen aus der Straßenbahn stoßen Karla und Achmed zusammen, wobei Achmed verletzt wird. Karla entflieht und verwandelt sich in mehrere Tauben („Eigenvögel“). Ihr „Sprung“ aus der U-Bahn wird durch eine Art „Sprung“ in der Zeit gedoppelt, und eine Parallelwirklichkeit bildet sich aus. Darin verlässt Karla die Straßenbahn, ohne mit Achmed zusammengeprallt zu sein. Im Laufe der Reflexion der eigenen Geschichte, die Karla als verschiedene „Eigenvögel“ vollzieht, fügen sich sowohl Karlas „Sprung in der Schüssel“ als auch der Knacks zwischen den Parallelwelten wieder ineinander, und Karla und Achmed werden Freunde.
So leicht der Inhalt zusammenzufassen ist, so unwesentlich ist er im Vergleich zum Feuerwerk aus Spracharbeit, das der Autor Walter Kreuz in seinem „Extrakt“ leistet. In der Einleitung bereits finden wir eine Definition der Medien Sprache und Sprechen. Sprache sei „Gedankenwiedergabe in Lauten oder anderen wahrnehmbaren Zeichen“, heißt es. Diese Erläuterung hat sich der Autor zu Herzen genommen. Denn der Text lotet auf das Erfrischendste mit Phonetik und Grafik die verschiedenen Sprachbereiche aus: Eine Skizze zu Beginn des Buches veranschaulicht die diversen Dimensionen der Raumzeit; kursive Stellen an den Kapitelanfängen fassen die Geschehnisse zusammen; Fußnoten dienen der Erläuterung; Absätze im Textverlauf geben an, dass sich die Stimmen der sprechenden Personen ändern; lyrische und lautpoetische Momente werden durch kleine Texthäufchen gekennzeichnet; Links- und Rechtsbündigkeit helfen dem Leser festzustellen, in welcher Dimension er sich gerade befindet et cetera.
Die Spielerei mit den optischen Merkmalen der Zeichen wird noch gedoppelt durch gekonntes „Zusammenstöpseln“ unterschiedlichster Klangebenen, wobei verschiedenste Sprechhaltungen und Stimmsounds in Karlas Lauf durchexerziert werden. Seien es die inneren Knarzklänge von Linde und Weide, die sich in Schubertzitaten gegenseitig besudeln, sei es der Monolog Karlas, die sich selbst aufgrund ihrer dissoziativen Störung mit „du“ anspricht, sei es die Straßenbahn, die über ihre sexuellen Ergüsse reflektiert, seien es die Götter, die am Ende auftreten – der rhizomatisch angelegte Text wechselt ständig die Sprechhaltungen und somit seine Klänge.
Walter Kreuz verwebt die unterschiedlichsten Ebenen gekonnt zu einem Text. Dass der Autor nicht nur Mathematik und Philosophie studiert hat, sondern auch im experimentellen Theater als Schauspieler arbeitete, verwundert kaum. Das Feuerwerk der Sounds von ihm selbst gelesen zu erleben, wäre eine spannende Angelegenheit.
Literaturzeitschrift Schreibkraft, Sophie Reyer, Schreibkraft 19/2010
ad Milan Ráček: HochZeiten/Vznešené okamžiky, 2009
Ankündigung der Buchpräsentation am 23. Februar 2010 im Tschechischen Zentrum, in:
BUCHKULTUR. LITERATURKOMPASS WIEN, Februar/März 2010
ad Milan Ráček: HochZeiten/Vznešené okamžiky, 2009
Österreich - Tschechien
Bilingual/Literature
Was haben das Prag der frühen 1960er-Jahre und Wien um 1990 miteinander zu tun? Ganz einfach: Es wurde und wird geheiratet. „HochZeiten“ ist der Titel des neuen Buches des in Niederösterreich lebenden Tschechen Milan Rácek. Erschienen ist das satirische Werk in der Edition Roesner als erstes einer neuen bilingualen Reihe./What do early 1960s Prague and Vienna around 1990 have in common? Itr's simple: people have always been getting married. „HochZeiten“ (the German word may mean ,marriages´, ,high times´ or ,heyday´) is the title of new satire by Milan Rácek, a Czech author living in Lower Austria. It is the first work in a new bilingual series published by Edition Roesner.
Enjoy Vienna/Willkommen in Wien, 02/10
ad Walter Kreuz: Karlas Lauf gegen die Raumzeit, 2008
Können Sie sich noch an den 16. Dezember 2000 erinnern? Was haben Sie am Nachmittag gemacht? Waren Sie zufällig in der Nähe der Donauinsel oder des Heustadlwassers? Ist Ihnen vielleicht etwas Ungewöhnliches aufgefallen? Kam Ihnen die Gegend nicht nur winterlich unwirtlich, sondern auch ein wenig unwirklich vor? Ist die Zeit vielleicht ein kleines Bisschen aus den Fugen geraten? Haben Sie in den zwei Stunden zwischen 15.34 und 17.34 etwas nicht ganz Alltägliches bemerkt? Sind Sie jemandem begegnet? Vielleicht einer etwa 20-jährigen jungen Frau, die seltsam gehetzt wirkte? Ja? Das könnte Karla gewesen sein, dann hätte sich die schweigende Protagonistin aus Walter Kreuz' Extrakt "Karlas Lauf gegen die Raumzeit" doch tatsächlich aus ihrer Buch- und Parallelwelt in die Wirklichkeit extrahiert, auf ihrer Flucht aus der Neurologischen Abteilung III der Krankenanstalt St. Johann-Stiftung in Wien-Erdberg.
Bei Walter Kreuz' Prosa – ist es denn Prosa? – versagen herkömmliche Gattungsbegriffe und literarischen Beschreibungskategorien. So nennt der Autor "Karlas Lauf gegen die Raumzeit" denn auch einen "Extrakt", einen Auszug also aus realen und Gedankenwelten. Der Plot ist schnell umrissen: eine junge Frau, Karla eben, flieht aus einer Wiener Nervenheilanstalt und schlägt sich durch die Stadt, ein wenig umgestüm, verzweifelt auch. Ergebnis: zwei Verletzte. Karla sagt nichts dazu. Die Umwelt fragt sie nichts, auf das sie eine Antwort wüsste. Karla schweigt, dafür reden alle und alles um sie herum für sie und auf sie ein. In einer Art Fantasy-Pananimismus ist die gesamte Welt beseelt und spricht: Eine Linde (Tilia grandifolia), eine Weide (Salix Alba), ein mittelschweres Eisentor, eine Wiener Straßenbahngarnitur, Stadt und Stadtteil und auch ganz körperlose Wesen wie der Nachmittag, ein Geräusch, ein Sprung der Protagonistin aus dem Straßenbahnwaggon – Gegenständliches und Abstraktes, alle haben was zu sagen. Auch ein paar Menschen kommen zu Wort, gleichberechtigt in der Menge, nicht bevorzugt vor dem Unbelebten, erst am Ende darf nur noch weiterreden, wer über Leben und Gehirn verfügt.
Mehrsprachig, multikulturell und vielstimmig ist der "Extrakt", die Erzählposition wird stets nach ein paar Sätzen weitergegeben wie das Holz nach einem Staffellauf. Dabei wird meist gar nicht im eigentlichen Sinne erzählt, sondern eher zugerufen, zugesprochen, reflektiert und kommentiert, und das in durchaus eigenwilliger Lexik und Grammatik. Die sprechenden Elemente werden bei Auftreten nicht explizit benannt, geben sich aber in den ersten Sätzen – nicht zuletzt durch sprachliche Eigenheiten – zu erkennen und sind auch durch einen mehr oder weniger unverwechselbaren Stil gekennzeichnet. (So zeigt die Straßenbahngarnitur eine gewisse Vorliebe für Exkurse ins Italienische). Die deutsche Sprache liefert hier lediglich das Rohmaterial, wird zurechtgedrückt und zurechtgebogen, manchmal nahezu bis zur neologistischen Unkenntlichkeit. Walter Kreuz verwendet Laute und Silben und formt sie nach Lust und Laune, wie man Figuren aus Ton modelliert.
Es ist aber keine beschädigte Sprache, kein beschädigtes Erzählen, kein Sich-nicht-mitteilen-Können, das hier vorgeführt wird, ganz im Gegenteil. Da will einer experimentieren, was das Zeug hält, da will einer das Unerzählbare erzählen, und trotzdem noch verstanden werden. "Ereigniskoordinaten" verankern die Szenen in Handlung, Raum und Zeit, eine mehrdimensionale schematische Darstellung von Karlas Lauf bietet zusätzlich Orientierung in Welt und Parallelwelt. Außerdem stellen einleitende Zusammenfassungen des Geschehens und – sprachlich ganz traditionell gehaltene – kommentierend-erzählende Fußnoten nützliche Lesehilfen dar. Die Eckdaten der Handlung sind weniger aus dem Fließtext abzulesen als aus den Textbausteinen rundherum. Und auch das Layout hat nicht nur ästhetisch-funktionale, sondern auch eine gewisse Code-Funktion, wie die Leser/innen schon zu Beginn erfahren: Das Initialwort eines Absatzes steht im Fettdruck, wenn ein Sprecher oder eine Sprecherin sich erstmals in einem Kapitel meldet, rechtsbündig erscheint die Parallelwirklichkeit, Gedankenreise und Rückblenden sind zentriert gesetzt.
Von Szene zu Szene wird es kakophoner: Laufend tauchen neue Redner auf, ohne dass die alten dadurch verstummen würden. Karla schwirrt es wohl zunehmend im Kopf. Kein Wunder, dass sie so unvorsichtig aus dem Straßenbahnwaggon springt, dass sie mit dem ägyptischen Wiener und Bald-nicht-mehr-Lokalbetreiber Dr. Achmed Ashrawi zusammenstößt und ihm einen Finger bricht. Das macht aber weiter nicht viel, denn erstens ist Achmed nicht wehleidig – und zweitens gibt es neben der Wirklichkeit ja auch noch die "Quirklichkeit". "Was wäre wenn" wird zur realen Möglichkeitsform, in einer spontan sich bildenden zweiten Raumzeit geht's auch ohne Missgeschick, und schon ist Achmeds Finger wieder ganz.
Bei Walter Kreuz geht es zu wie in den wildesten Fantasy-Geschichten. Nix is fix, alles ist möglich. Zeit und Raum sind keine Konstanten, ganz im Gegenteil: unsere gewohnte Raumzeit leidet unter akuter Strukturschwäche, was auch zur Folge hat, dass nichts dagegen spricht, wenn zwei Bäume und ein mittelschweres Eisentor ein Geschehen kommentieren, das sich fern von ihnen abspielt. Und wen erstaunt es noch, dass sich der Liebesakt einer Straßenbahntriebwagengemahlin mit ihrem Beiwagengatten keineswegs in der Parallelwelt, sondern einfach in der Wehlistraße abspielt, und auch noch ein Liebesfunke überspringt in die nächstbeste Zinskaserne, auf dass einander Menschenweibchen und Menschenmännchen ebenso glücklich machen wie die Materie? In der Parallelwelt Literatur – wer möge dies bezweifeln – ist schließlich alles möglich.
Buchmagazin des Literaturhauses, Sabine Dengscherz, November 2009
http://www.literaturhaus.at/buch/buch/rez/Kreuz_Raumzeit
ad Walter Kreuz: Karlas Lauf gegen die Raumzeit, 2008
Karla flieht aus einer Krankenanstalt in Wien-Erdberg. Karla läuft und läuft, sie begegnet Menschen, Menschen begegnen ihr. Karla boxt und kratzt, Karla schweigt und spricht. Auch andere Menschen, vor allem Thommy, Mammu, Beth, Achmed, sprechen. Sie sprechen über Karla, über sich, über andere und miteinander zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Kontexten, an unterschiedlichen Plätzen in Wien.
Die Vielzahl der Erzählpositionen fordert und führt in jeweils neue Denkmuster, neue kulturelle Kontexte und neue Zeiten. Außergewöhnliche Sprachkreationen einerseits und ausführlich informative Erklärungen (Fußnoten!) regen an, das Gelesene zu überdenken und zu ordnen, sodass sich in dem ständigen Wechsel zwischen Vergangenem, Gegenwärtigen und Zukünftigen jeweils neue Raum-Zeit-Fenster öffnen, in denen zu verweilen es sich lohnt.
KORSO, Doris Wilfinger, November 2009
ad Walter Kreuz: Karlas Lauf gegen die Raumzeit, 2008
„Ein ungewöhnlicher Roman eines österreichischen Autors“
Auszüge aus der Buchbesprechung durch Martin Oberlechner und Andi Augustin
Andi Augustin: „ (...) Das Buch ist die Geschichte des „schweigenden Mädchens“ Karla, die sich auf der Flucht befindet bzw. vor etwas davonläuft –- wovor, wird erst nach und nach aufgeschlüsselt. Während diese besagte Karla schweigt, beginnt alles und jedes um dieses Mädchen herum zu denken und zu sprechen und fließt dann in diese Erzählung ein (...). Teilweise ist das eine sehr abstrakte Erzählform, die der Autor hier wählt,– bzw. erfindet der Autor auch immer wieder eigene Ausdrucksformen.“
Martin Oberlechner: „Du hast schon erwähnt, es ist eine sehr abstrakte Erzählform. Macht so etwas überhaupt Spaß zum Lesen?“
Andi Augustin: „Es ist sehr gewöhnungsbedürftig, wenn man überrascht wird. Ich habe über das Buch überhaupt nichts gewusst und musste mich erst einige Seiten einlesen. Dann wird’s aber sehr spannend und sehr interessant (...) Man sollte sich wirklich Zeit nehmen und konzentriert lesen (...)“
Martin Oberlechner: „Gehen wir gleich in medias res, und du liest uns einfache eine Seite vor.“
Andi Augustin: „ (...) Um vorher noch eine Besonderheit zu erwähnen: Das Buch ist nicht in Kapiteln unterteilt, sondern in „Ereigniskoordinaten“, die da angegeben sind, das ist auch eine witzige Eigenschaft, und da steht dann zum Beispiel 16. Dezember 2000, 16.00 Uhr, Länge 16 Grad 25 Minuten 49 Sekunden (...). Ich lese eine Passage vor, in der eine Wiener Straßenbahn ihre Gedanken vorträgt (...)
Martin Oberlechner: „Diese Sprache, die du da gerade vorgelesen hast und interpretiert hast, klingt ja (...) fast schon wie Lyrik.“
Andi Augustin: „In diesem Fall schon, aber es ist nicht eine durchgängige Sprache, die der Autor verwendet. Es gibt durchaus auch abwechslungsreiche Sprachwahlen, und der Autor wählt in anderen Passagen des Buches durchaus wirklich experimentelle Sätze und Wortfetzen,– sag’ ich mal. Er beginnt dann auch Worte zu verändern, zu verstümmeln, zu kürzen, zu wiederholen (...)“
Martin Oberlechner: „Für wen ist eigentlich dieses Buch, denkst du? Wer könnte dieses Buch lieben?
Andi Augustin: „Es ist vom Prinzip her ein Buch, das für Leute, die sich grundsätzlich für Sprache interessieren und für das, was man mit Sprache alles anstellen kann, interessant sein könnte. Ich würde einmal als Beispiel einen Ernst Jandl nehmen mit seinen Sprachgedichten, (...) teilweise tendiert das in diese Richtung. Es ist wirklich einmal etwas ganz anderes als man sonst gewohnt ist. Es ist keine Erzählung im eigentlichen Sinn, sondern eine Aneinanderreihung von sehr vielen Begebenheiten und Gedanken (...)“
Kulturschiene, Orange 94.0, das Freie Radio in Wien, Juli 2009
ad Gerald Koller: Kurswechsel, 2009
2009: Die „Krise“ erreicht Österreich. Und weil die Österreicher schon seit Metternich gewohnt sind, nicht viel zu fragen, so wollen sie es auch diesmal nicht so genau wissen. Und der Boulevard unterstützt sie dabei: Was das für eine Art Krise sei und wer dahinterstecke, bleibt im Dunkeln. Hauptsache, „wir“ müssen wieder einmal den Gürtel enger schnallen.
Während Millionen hoffen, dass es bald wieder so wird, wie immer, setzen andere auf das Gegenteil. Seit Oktober des Vorjahres, dem Beginn des Finanzdebakels, hat der Autor und Pädagoge Gerald Koller ein Krisentagebuch geführt; und schrittweise erkannt, dass ein fundamentaler Kurswechsel unumgänglich ist.
„Der gesellschaftliche Umbruch, in dem wir uns befinden, ist grundlegend - von der Epoche des überzogenen Egoismus zum Zeitalter der Netzwerke.“
Der Begriff des sozialen „Netzwerks“, des organischen Soziotops ist denn - neben „Bruttosozialglück“ auch ein Schlüsselbegriff in Kollers Initiative. Nur dialogisch verbundene Gemeinschaften können die Umverteilung nach oben - zuletzt weltweit unglaubliche 18.000 Milliarenden Euro für die wankende Finanzwirtschaft - umkehren.
Kollers (Ent-)Wurf ging bereits vor der offizielen Präsentation in die zweite Auflage. Eine Kurzfassung wurde von fast allen maßgeblichen österreichischen Jugendorganisationen als Basisarbeitspapier übernommen.
brennstoff Nr. 16, Huhki/Harald Edelbauer, Juni 2009
ad Gerald Koller: Kurswechsel, 2009
Ein Buch, das schon vor der Erstpräsentation nahezu vergriffen ist, resultiert aus perfekter Abstimmung von Inhalt, Auftritt und sozio-ökonomischen Umständen. Dem Mödlinger Pädagogen und Schriftsteller Gerald Koller ist ein solcher Wurf gelungen, und so konnte er anlässlich der Buchtaufe von „Kurswechsel" in der Sala Terrena bereits die zweite Auflage im Rahmen der Edition Roesner ankündigen.
Nach der Eröffnung durch Stadtrat Stephan Schimanowa und Moderator Winfrid Janisch führte Koller durch sein neues Oeuvre, das eigentlich als „Finanzkrise-Tagebuch" begonnen hatte. Für den Autor handelt es sich aber im Grunde um eine weltweite mentale Krise:. „Es bleibt, wenn wir den Kampf aller gegen alle und neue Demagogien vermeiden wollen, nur der Dialog mit allen. Die Zeit der Lonesome Heroes ist vorbei!"
Koller sieht kein Zurück nach dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbruch in dessen Verlauf die globale Ökonomie ihr Pulver in Form einer 18.000 Milliarden Euro-Stützung für die wankenden Finanzimperien weitgehend verschossen hat.
Er plädiert für soziale Netzwerke und Lebensformen mit Maß und Mitte.
Musikalisch umrahmt wurde die BuchPräsentation vom Blockflötenensemble Mödling unter Martha Derflinger, anschließend wurde die ,Neue Bescheidenheit' genussvoll mit einem kleinen Büffet zelebriert.
NÖN, Harald Edelbauer, Woche 18/2009
ad Gerald Koller: Kurswechsel, 2009
Gerald Kollers „Kurswechsel“ als Leitfaden zum „G'Scheitern“
Als Routenplaner zur Lebensqualität wird der Mödlinger Gerald Koller, der als Vater der Suchtprävention in Österreich gilt, am 15. April um 19 Uhr in der Sala Terrena, Pfarrgasse 9, sein neuestes Buch „Kurswechsel“ präsentieren. Erschienen im Verlag „Edition Rösner“, geschrieben, produziert und veröffentlich in weniger als einem halben Jahr. Mödlings Sozial-Stadtrat Stephan Schimanowa lud am 31. März zur Presse-Vorstellung des Werkes und zeigte sich begeistert: „Das Buch hat neben dem Gesundheitsaspekt auch einen massiven gesellschaftspolitischen Ansatz. Die aktuelle Wirtschaftskrise bietet nämlich die große Chance, den Dialog, das Miteinander wieder verstärkt in Gang zu setzen“.
Gerald Koller wagt mit seinem Buch einen Blick auf neue Horizonte. „Es bedarf in der Tat zuerst nur eines mentalen Kurswechsels, wenn die Fahrt in die Zukunft gelingen will!“, so der Autor. „Ein sensationelles Buch, dass das Zeug zum Bestseller hat“ outete sich neben Verlegerin Mag. Nadja Rösner-Krisch auch der Mödlinger Psychologe Dr. Winfrid Janisch vom Mödlinger Institut für Psychotherapie als Fans des Leitfadens. „Das Geld verdienen als Selbstzweck ist immer mehr ein Problem unserer Gesellschaft geworden. Die wenigsten Menschen oder Betriebe hätten noch Kapazitäten über das von Koller genial so genannte „G'Scheitern“ neue Lösungen zu finden“, führte Dr. Janisch aus.
Die Buchpräsentation am 15. April wird gemeinsam von der Edition Rösner, dem Mödlinger Institut für Psychotherapie mit Moderator Dr. Janisch und dem Sozialreferat der Stadtgemeinde Mödling initiiert.
MÖDLING AKTUELL
ad Gerald Koller: Kurswechsel, 2009
Leifaden zum „G'scheitern“
Der Mödlinger Gerald Koller präsentiert sein neues Buch "Kurswechsel" ... ein Routenplaner zur Lebensqualität ... Mödlings Sozialstadtrat zeigte sich begeistert ... "Es bedarf in der Tat zuerst nur eines mentalen Kurswechsels, wenn die Fahrt in die Zukunft gelingen will", so der Autor. "Ein sensationelles Buch, dass das Zeug zum Bestseller hat." - Über das von Koller beschriebene "G'scheitern" könnten durchaus neue Lösungen gefunden werden.
NÖN, Woche 15/2009
ad Michael Stradal: Der Beethoven-Tee, 2008
Bei der Lektüre des Buches, in dem der Leser mit einer im Grenzbereich zwischen Wein- und Waldviertel angesiedelten, unheimlichen Geschichte konfrontiert wird, muss jeder traditionsbezogene und die Ikonen der kulturellen Vergangenheit anbetende Musikliebhaber die Nichtexistenz der literarischen Zensur bedauern.
Es geht tatsächlich um den Genius Beethoven. Nach der Lektüre der phantastischen Novelle 'Der Beethoven-Tee' wird man sich nie mehr einem sorglosen Genuss seiner Musik hingeben können. Bei jedem Takt, der ihm zugeschrieben wird, ergreift der grauenhafte Inhalt des Buches das ganze Volumen der Vorstellungskraft des Hörers und verwandelt das Wohlgefühl in grenzenlose Abscheu.
Dabei beginnt das Buch ruhig und romantisch. Der Erzähler trifft im ruinösen Gemäuer der Schlosskapelle, in das er sich vor einem herannahenden Gewitter flüchtete, auf einen wie aus einer Mottenkiste entflohenen und ziemlich verschroben wirkenden Gendarmeriebeamten.
Dieser erzählt ihm nach anfänglicher Weigerung die atemberaubende Geschichte, die aber mit einem Fluch belegt sein soll ...
Michael Stradal benötigt sieben Kapitel für die Schilderung der Ereignisse und zwar nicht in erzählender sondern in dramatisierender Form. Zuerst steigt die Neugierde noch ziemlich dosiert, allmählich nimmt die Geschichte aber bis zur Unerträglichkeit an Spannung zu. Erst im letzten Kapitel landet der über mehrere Jahrzehnte gespannte Handlungsbogen wieder dort, wo er anfing, nämlich in der Gegenwart. Die Hoffnung, die nüchterne Erklärung der mysteriösen Begleiterscheinungen wahrnehmen zu können, schlägt aber fehl. Das Fiktive und die Realität bleiben ungetrennt. Das einzige Beruhigende am Ende des Buches ist der Umstand, dass der Erholungssuchende, zufällig in die verfluchte Geschichte hineintappender Protagonist, wenigstens das Ende des Buches überlebt.
Milan Rácek, Jänner 2009
ad Walter Kreuz: Karlas Lauf gegen die Raumzeit, 2008
Selten noch war der an sich komplexe Einstieg in das scheinbare Kontinuum der physikalisch-universellen Ereignisse so bunt, so schillernd, so vielfältig und so vergnüglich zu erlesen. Der Schriftsteller, Sprach- und Performancekünstler Walter Kreuz hat mit „Karlas Lauf gegen die Raumzeit“ ein tiefsinniges Kaleidoskop eines Miniuniversums geschaffen.
Worum geht es? Ein möglicherweise, wie man wohl heute sagen könnte, verhaltensoriginelles Mädchen - Karla - bricht aus der Psychiatrie aus, quetscht sich durch eine quietschend-pittoreske Gartentür und beginnt einen atemlosen Lauf durch die Gefilde des zweiten Wiener Gemeindebezirks - entlang der mittlerweile eingestellten Straßenbahnlinie 21. Und an diesem Ausbruch ein- und aufgefädelt erheben die Dinge, die Ereignisse, die „Wesenheiten“ um Karla herum ihre Stimmen. Beginnen zu sprechen, zu klagen, zu jubilieren, zu philosophieren und sogar amtszuhandeln. Sei es die Linde am Heustadelwasser, sei es der Nachmittag, das Wiener Lüfterl, oder die eingangs zitierte Gartentür, sie alle werden zum Leben erweckt und finden zu Worten, zu Lauten, zu Äußerungen, zu artikulierter Poesie.
Walter Kreuz gelingt das Kunststück, diese verwirrende Kakophonie in einfühlsamen Farben zu malen, jedem „Etwas“ eine unverwechselbare Art der Mitteilung zuzuweisen und es damit zu einer Persönlichkeit zu erheben, die schrullig, listig, witzig aber auch traurig, einfühlsam und anklagend sein kann.
Und damit niemand in den sich spaltenden Paralleluniversen verlustig geht, hat er auch dankenswerter Weise eine amüsante Gebrauchsanleitung beigepackt, die auch solchen Menschen, welche sich nur mit dumpfem Grauen an ihre früheren Kenntnisse der Physik und der Kosmologie erinnern, einen spielerischen Einstieg ermöglichen. Dass er dann nebstbei auch mit einer gehörigen Portion Witz den Wissenschaftssprech und Amtsgeschäftigkeit gründlich auf die Schaufel nimmt, erweitert das Lesevergnügen. Auch eine im Berichtsstil verfasste Kurzeinleitung zu jedem Kapitel und die in wissenschaftlicher Betulichkeit verfassten teils hoch seriösen Fußnoten lassen einem das Buch kurzweilig und fast atemlos erlesen.
Immer wieder viel Musik und Rhythmusgefühl in den verwendeten Spracharten, ein traumwandlerisch sicheres Gespür für den Wechsel aus Gag und berührender Poesie, das zeichnet „Karlas Lauf gegen die Raumzeit“ aus. Und so wandeln wir fließend vom „straßenbahnalen“ Koitus zur bewegenden Gedichtpassage - ohne dabei als Lesende überrumpelt oder übergangen zu werden.
In Summe: ein souveränes Spiel mit vielen Möglichkeiten der Sprache, ohne dabei manieristisch oder aufgesetzt zu wirken. Und viele, äußerst bewegende, poetische Zeilen inmitten von sowohl Leichtigkeit als auch Bedeutung. Und dann, plötzlich, beim Spazieren durch die Stadt, erheben auf einmal mehr und mehr Dinge rund um mich ihre vielfältige Sprache. So kam es mir jedenfalls vor, nach der Lektüre.
kulturwoche.at, Tristan Jorde
ad Walter Kreuz: Karlas Lauf gegen die Raumzeit, 2008
Es ist wohl merkwürdig wenn ein Schriftsteller zu Beginn seines Druckwerkes vom Schweigen schreibt, und zuerst dem Schweigen Energie zuweist, und dies dann zu einem Häufchen Restenergie reduziert. Sogar dieses Häufchen wird durch das Schweigen des Schweigens, wie ich meine des VERschweigens, ausgelöscht. Die Idee eines Satzes der Erhaltung der Sprachenergie. Ja, wenn es ihn gäbe sind die etwaigen Folgen anders zu erfahren als die entsprechenden Anmerkungen in den Überlegungen in der Startposition von Walter Kreuz. Zu dem Begriff Lauf (Seite 11) wäre noch auf die Verwendung eben dieses in den Schriften und Vorträgen von Oswald Wiener hinzuweisen. Freilich läuft Karla, das Mädchen oder die junge Frau, als Titelheldin durch das Buch bis zum Schluss, an dem sie ihren wohlverdienten Pfefferminztee trinken kann. Lassen wir uns aber nicht durch die theoretischen Überlegungen des Autors soweit beirren, dass wir den Sprech des „Extraktes“ als etwas, was Schweigen beinhalten könnte, auffassen, es gibt darin nichts Verschwiegenes, außer wir Leser verschweigen uns selbst etwas, wenn uns aus dem Text etwas anspringt, was wir nicht so gerne in unser Bewusstsein bringen. Mir erscheinen diese 179 Seiten als ein vielleicht nicht nur von mir ersehnter Lichtblick in der Österreichischen Literatur des Anfangs des 21. Jhdts. Kreuz hat eine lange Beschäftigung mit Sprache und Sprech-performance in der Öffentlichkeit seit sehr vielen Jahren vollzogen und sich mit den entsprechenden internationalen Strömungen ausgezeichnet vertraut gemacht. Mir scheint, dass hier ein Autor die wesentlichen Traditionen der modernen Poesie und Prosa in einer gänzlich neuen und unbefangenen Weise weiterführt, wir haben in der deutschen Sprache ohnehin wenig hergebrachtes, angefangen von Jean Paul, DADA, Arno Schmidt, der konkreten Dichtung nach 1945, Ernst Jandl, Marc Adrian, Teile der Arbeiten der sogenannten Wiener Dichtergruppe, oder auch des Rezensenten. Ich will auch Marianne Fritz in diesem Zusammenhang erwähnen. In der englischen Literatur gibt es dafür einen wesentlich stärkeren Strom, angefangen von Laurence Sterne, Lewis Carroll, Gertrude Stein zu James Joyce, Samuel Beckett, Kenneth Patchen, und einigen der zeitgenössischen Schriftsteller. Die Zusammenhänge zwischen der Schmidtschen Methode, Geschichten im Dialog zu erzählen und dem Kreuz-Extrakt wären noch ins Detail nachzuvollziehen, als Hinweis für manche Seminararbeit an einem entsprechenden Universitätsinstitut. Der Haupttext des Extraktes besteht doch aus Mono- und Dialogen. Kreuz gliedert sein Extrakt in diverse „Ereignis-koordinaten“, die zeitlich und räumlich festgelegt werden. In diesen Kapiteln, die von der Sprache, von der internen Bewegung und auch vom Lay-Out jeweils ganz speziell geprägt werden, führt uns Kreuz in die Fluchtwelt der Karla, deren persönliche Geschichte sich allerdings nur ganz langsam in den 16 Ereignis-koordinaten entfaltet und deren Verschränkung mit einer Reihe von anderen Personen, die auch Bäume oder Möven sein könnten oder können. Eine Hauptrolle spielt die Straßenbahnlinie 21 mit ihrer Umgebung im Nordosten der Stadt Wien. Es ist aber nicht diese Fluchtgeschichte aus einer eher entsetzlichen familiären Situation, die uns dabei so interessieren könnte, sondern die große Fülle der Sprachspiele, der Worterfindungen, der teilweise gereimten Sprechmusiken, des ständigen Changierens von Subjekt zu Objekt usw., oder knalltrockener oder tief ironischer Feststellungen. Ein Beispiel: „Jeder zweite Winkel ist das Denkmal einer stillen Verzweiflung. Jeder erste ein Überlebenswille.“ Es gab in den 70er bis 80er Jahren österreichische Literaten wie Wimmer, Herbst, Czernin, Hell, Steinbacher, Jaschke oder Schmatz, aber ich kann mich in den letzten 10 Jahren an keine Arbeit der genannten erinnern, die mich in ähnlicher Weise angesprochen hätte. Wünschen wir dem Autor die Möglichkeit, diesen Extrakt mal mit allen anderen bereits erarbeiteten Textteilen in einer wesentlich umfänglicheren Auflage zu bündeln.
ejournal - LITERATUR PRIMÄR, Hermann J. Hendric
ad Walter Kreuz: Karlas Lauf gegen die Raumzeit, 2008
„... Das Buch ist ein Verwirrspiel zwischen Sprache und Schweigen und ist ein hochpoetisches, zugleich aber auch radikales Buch geworden. Die tiefen Töne von „Bassinstinct“ werden der Grundstimmung des Buches mehr als gerecht ...“
Concerto, 1/2009, Alfred Krondraf
ad Erich Sedlak: Notlandung im Schlaraffenland, 2008
Kurier-Krone-Journal - unter dem Titel „Autor Erich Sedlak gibt tiefe Einblicke in die menschliche Seele“
Kurier-Krone-Journal, 26. 11.08
ad Erich Sedlak: Notlandung im Schlaraffenland, 2008
Wortgewalt der Satire
... Erich Sedlak, sein 19. Buch: „Notlandung im Schlaraffenland“. Wo lieber möchte man wohl notlanden als im Land der Schlaraffen, dort, wo Milch und Honig fließen und gutes Essen auf Genießer harrt. Wenn man schon abstürzt, dann wenigstens an einem angenehmen Ort ...
Erich Sedlak wartet jedoch nicht dirket mit Speis und Trank auf - er serviert Satire in reinster Form. Aus Alltäglichem destilliert er seine Geschichten, die das Leben gut oder schlechthin spiegeln. Das Destillat ist wortgewaltig und -witzig, lässt Lachen ohne Pause zu ...
Am Besten wäre, Sedlak würde seine Satiren selbst live lesen ... Der lesende Leser müsste sich beim Lesen vorstellen, Sedlak lese, um die gewünschten Effekte zu erleben. Oder man hat eben einen Sedlak zu Haus - als Vorleser ...
Über erwünschte und unerwünschte Nebenwirkungen befragen Sie Ihren Psycho- und Lachtherapeuten!
Ein ideales Geschenk für unter dem Christbaum!
NÖN, Helmut A. Puritscher, November 2008
ad Erich Sedlak: Notlandung im Schlaraffenland, 2008
„ ... Bald aber kringelt man sich vor Lachen wie bei der Matscho-Lektüre in der Bim.“
Wienerin, Christa Nebenführ, November 2008
ad Erich Sedlak: Notlandung im Schlaraffenland, 2008
Zu den Satiren des Erich Sedlak
„Wer erkennt das,
wer weiß,
was Weisheit
und was Narrentum ist?“
Diese Frage eines mittelalterlichen Anonymus könnte das Einführungszitat für das gerade erschienene Buch von Erich Sedlak sein ...
Der Leser genießt die flotte Sprache, die, weil man mit dem Lesen nicht aufhören kann, das Lesevergnügen nicht nur stärkt, sondern auch verlängert. Bereits vor der Kartharsis der meisten Geschichten glaubt man, den Ausgang zu kennen, in den meisten Fällen nimmt sie aber eine überraschende Wende und endet mit einem „Aha-Effekt“ ...
Das Buch ist mehr als lesenswert ...
Ich persönlich betrachte seine Arbeit als im höchsten Maß verschwenderisch. Wenigstens die Hälfte seiner Geschichten, die auf drei bis sieben Seiten abgehandelt werden, könnten den Stoff für eine Novelle oder mehr liefern. Offensichtlich hat Sedlak, im Gegensatz zu zahlreichen anderen Autoren einen Ideenüberschuss.
Der Weinviertler, Milan Rácek, Oktober 2008
ad Erich Sedlak: Notlandung im Schlaraffenland, 2008
Der durchschnittliche Schlaf eines Österreichers
„Wir haben heute einen reinen Satiriker zu Gast. Einen, der nicht gerade mit dem Holzhammer arbeitet“, charakterisierte Ludwig Legge, Vorsitzender der Neuen Literarischen Gesellschaft, seinen Gast bei „Literatur um 11“ im Café Vetter ... Aus seinem neuen Werk „Notlandung im Schlaraffenland“ las der Wiener Neustädter in Marburg. Sein mittlerweile 15. Buch ist eine Sammlung kleiner Satiren auf das alltägliche Leben. Diese entwicklen ihren besonderen Charme erst dann, wenn sie im österreichischen Dialekt vorgetragen werden, denn die größte Stärke von Sedlak liegt in seinen Dialogen. Sei es das Gespräch zwischen einem Weinverkäufer und seinem zukünftigen Opfer, das sich von einem Werbegeschenk, einem goldenen Korkenzieher, zu unsäglichem Konsumrausch verführen lässt. Oder das Telefonat zwischen einem arbeitslosen Wachmann und einem Matratzenvertreter, der durch Fragen über Liegepositionen und Härtegrad des Federbetts „dem durchschnittlichen Schlaf eines Österreichers“ auf die Spur kommen möchte.
Die Lesung geriet Sedlak zu einer Gratwanderung, die viel Fingerspitzengefühl aber verlangte: Einerseits durfte der liebevolle Charme der Erzählungen, der stark an die österreichische Sprache gebunden ist, nicht verloren gehen. Andererseits sollten die Zuhörer alles verstehen.
Den subtilen Humor der Erzählungen des Weiner Neustädter Satirikers quittierte das Publikum im gut besetzten Café Vetter mit Lachen und Applaus.
Oberhessische Presse, Philipp Rasch 25. September 2008
ad Erich Sedlak: Notlandung im Schlaraffenland, 2008
Satirische Trilogie
... eine vergnügliche Lesung mit gleich drei Schriftstellern (Erich Sedlak, Beppo Beyerl, Milan Rácek), die sich trauen, den Ernst des Lebens durchaus humorvoll darzustellen ...
14. September 2008
ad Erich Sedlak: Notlandung im Schlaraffenland, 2008
Notlandung im Schlaraffenland
Der Wiener Neustädter Autor rief und mehr als 250 seiner Fans kamen vergangene Woche in den lauschigen Hof des Stadttheaters, um der Lesung aus seinem neuesten Werk „Notlandung im Schlaraffenland“ zu lauschen. Berhard Kratzig, bekannt für seine humorvollen Darstellungen von Menschen im Alltagsleben, schuf das Tibelbild des Buches, das in der EDITION ROESNER erschienen ist ...
Bezirksblatt Wiener Neustadt, 9. September 2008
ad Erich Sedlak: Notlandung im Schlaraffenland, 2008
aus: www.buchkritik.at
Auf wenigen Seiten erzählt Erich Sedlak kleine Geschichten, die man erlebt oder von denen man gehört hat und die so oder so ähnlich passiert sind oder passieren hätten können. Immer witzig, manchmal etwas wehmütig ...
Stilistisch hält sich der Autor an das klassische Schema für Kurzgeschichten, am Ende gibt es immer eine Pointe. Entgegen mancher anderer Autoren macht es Sedlak dem Leser auch nicht schwer, diese zu erkennen ...
Ein besonderes Kennzeichen Erich Sedlaks ist die eigenwillige, aber immer treffsichere Schreibweise von Dialektausdrücken oder englischen Wörtern, die von Dialekt sprechenden Österreichern gesprochen werden. Man hört beim Lesen geradezu den unverkennbaren Zungenschlag, der die nur sehr begrenzt beherrschte Fremdsprache einer geradezu schmerzhaften Anpassung unterzieht. Generell gehören Dialoge zu Erich Sedlaks Stärken, die er ausgiebig nutzt.
Alfred Ohswald, 7. September 2008
ad Erich Sedlak: Notlandung im Schlaraffenland, 2008
Literarische Lachsalven
Rund 250 Besucher ließen es sich am Mittwochabend nicht nehmen, den lauen Sommerabend im Innenhof des Wiener Neustädter Stadttheaters zu verbringen, um den Worten des Schriftstellers Erich Sedlak zu lauschen, der sein neuestes Werk „Notlandung im Schlaraffenland“ präsentierte. Mit satirischen Kurzgeschichten und klingenden Titeln wie „Champignon“ oder „Ein Doller“ brachte der Autor unter anderem Kulturstadträtin Isabella Siedl, Kulturratschef Franz Pinczolits und den Leiter der Stadtbücherei, Robert Mech, zum Lachen.
Verteter aller Kunstrichtungen wie etwa der satirische Maler Bernhard H. Kratzig, Kinderbuchautor Martin Auinger, Komponist Herbert Zagler und Akkordeonistin Friederike „Fritzi“ Steiner lasuchten den humorvollen Worten. Von Seiten des Verlags überprüfte Chefin Nadja Rösner-Krisch persönlich die Stimmung im Publikum und wurde nicht enttäuscht. Zwischen den satirischen Zeilen sorgten Josef „Schneckerl“ Schultner und Hans Czettel für einige musikalische Leckerbissen.
Kurier, 5. September 2008
ad Erich Sedlak: Notlandung im Schlaraffenland, 2008
Der Wahnsinn der Normalität
... Erich Sedlak ... sorgte bei der Lesung seiner humorigen und liebevoll bissigen Satiren für viele Lacher im Publikum ...
NÖ Nachrichten, 1. September 2008
ad Erich Sedlak: Notlandung im Schlaraffenland, 2008
Dass mittlerweile zahlreiche Schriftsteller, ja Dichter und Publizisten (nebst vielen Journalisten) ihre Zelte in Niederösterreich aufgeschlagen haben, darf als fixe Tatsache gelten. Nun weiß ich nicht, zu welcher Kategoie des Schreibens sich Erich Selkak rechnet - aber er ist Präsident des Niederösterreichischen PEN-Clubs; und schreibt ganz herrlich kleine Kurzgeschichten, die er als „Satiren“ qulifiziert. Nein, es sind keine schwerfälligen literarischen Panzerkreuzer, die er zu Wasser lässt, sondern pfiffige essayistische Torpedos, die Spaß aufs Leben machen; Alltagsgeschichten, die den Leser zum Kopfnicken verführen - Geschichten, die aus dem Leben kommen. Meisterlich pointiert und stilistisch blendend verfasst, sind sie leicht lesbar und verraten erst beim zweiten Mal die Absischt, ins pralle (österreichische) Leben zu tauchen.
morgen, Kulturzeitschrift, Hans Magenschab (Hrsg.), September 2008
ad Erich Sedlak: Notlandung im Schlaraffenland, 2008
Erich Sedlaks Humor bleibt von Buch zu Buch unverwüstlich der geiche. Sollte der Leser zum Beispiel noch nie Bügeleisen gesammelt haben: Nach der entsprechenden Satire wird er es tun. Sollte eine Leserin nicht mehr wissen, was sie den Lieben daheim kochen soll, wäre die Lektüre der Satire "Nouvelle Cuisine" zu empfehlen. Außerdem wird vor der Zucht von Champignons gewarnt.
Von Bewährtem abgesehen, ist bei Erich Sedlak von Buch zu Buch eine Verschiebung von Prosa und Erzählerischem hin zu Dialog und Szenischem zu bemerken. Nicht zu Ungunsten der Wirksamkeit der Texte. Umso mehr Ausdruck stellt sich daher ein, wenn Erich Sedlak eine Lesung gibt. Dann berichtet der uneingestandene Kabarettist durch seine Satiren wie von sich selbst. Und die Zuhörerschaft darf sich einreden, nicht unbedingt auch gemeint und entlarvt zu sein. Diese wohltuende Distanzierungsfinte bewahrt vor allzu schroffer Selbsterkenntnis. Sogar eine Reise mit dem Luxusdampfer endet daher nicht mit einem Schiffbruch. Obwohl keine Leserin und kein Leser auch bei Sedlaks noch so katastrophalen menschlichen Notlandungen nach einem Rettungshubschauraber winken wird.
PODIUM, Stephan Denkendorf, September 2009
ad Margareta Mirwald: Woher kommst du, dass du meinen Namen weißt, 2008
Im Museum Mödling hörte man eindrucksvolle Worte, dort präsentierte Margareta Mirwald ihr Buch „Woher kommst du, dass du meinen Namen weißt“. Das in der Edition Roesner erschienene Buch erzählt menschlich berührend und literarisch eindrucksvoll vom Selbstmord des Sohnes der Autorin: „Jeder Versuch über den Selbstmord seines Kindes zu sprechen, kann nur eine bruchstückhafte Annäherung an einen unendlich tiefen Schmerz sein.“
NÖN, 2. Juli 2008
ad Michael Stradal: Der Beethoven-Tee, 2008
... Tatsächlich ist das zweite Klavierkonzert, Opus 19, Beethovens aus nie geklärten Gründen Carl Nikl, Edler von Nikelsberg gewidmet. Hier wird einem ein Musikkrimi der besonderen Art vorgelegt - realistisch und fiktiv, historisch und phantastisch zugleich. Die Story ist gleichsam haarsträubend und genial. TeetrinkerInnen werden nach dieser Lektrüre gerne zu Kaffee greifen. Warum? Lesen Sie doch nach!
Mostviertel-Basar, Doris Schleifer-Höderl, 1. Juli 2008
ad Michael Stradal: Der Beethoven-Tee, 2008
Der Beethoven-Tee - 200 Seiten lang Spannung pur
Ein namhafter Pianist hat endlich Zeit für sein Hobby, das Malen. Er kuriert eine überstandene Herzattacke in Oberweilern, einem kleinen verträumten Marktflecken in Niederösterreich, aus. Dabei macht der rekonvalszente Musiker Bekanntschaft mit einem Geist einer Burgruine, der ihm die geheimnisumworbene Geschichte um den Brand der Ruine lüftet. Michael Stradal überzeugt in der phantastischen Novelle "Der Beethoven-Tee" mit beeindruckender Beobachtungsgabe. Er überrascht mit kriminalistischen Details und gewährt aus der Sicht eines Außenstehenden tiefen Einblick in die Dynamik eines Dorflebens. Spannung pur und ein wahres Lesevergnügen - von der ersten bis zur letzten Seite.
Ehe und Familie, Ausgabe 5/6, Juni 2008
ad Michael Stradal: Der Beethoven-Tee, 2008
aus: Die schönste Nebensache
Große Persönlichkeiten haben schon immer Autoren dazu verleitet, „Was-wäre-wenn-Geschichten“ zu verfassen. Michael Stradal ist nicht unbedingt ein Schriftsteller, dessen Werk den Unsterblichkeitsrang des Bonner Meisters (Herbert Rosendorfer, Anm.) erreichen wird, ... aber seine phantastische Novelle um Tee, Gift und musikalische Widmungsträger ist spitzfindig erzählt und lässt immer wieder vergessen, dass sich der Autor alles nur ausgedacht hat.
NEUES LAND, Hans Putzer, 06. Juni 2008
ad Michael Stradal: Der Beethoven-Tee, 2008
Ein weltberühmter Musiker gibt Anlass zu Aufregung, Mord und Totschlag. War Beethoven der, der er vorgab zu sein, oder doch nicht? Dunkle Familiengeheimnisse, Jahrzehnte streng gehütet, drängen ans Tageslicht. Doch wer sie entdeckt, schwebt in großer Gefahr, der Beethoven-Tee wartet auf ihn, und sein Verzehr ist wahrlich kein Genuss. Ein Buch als Urlaubslketüre für literarisch interessierte Krimifreunde.
Es ist bereits das zweite Buch der Musikerkrimi-Trilogie Stradals. Sein erstes Buch widmete der Autor Wolfgang Amadeus Mozart. Aber auch ein dritter Band ist im Werden, wobei der Komponist Joseph Haydn die Hauptrolle einnimmt. Das Buch wird rechtzeitig zum Haydn-Jahr 2009 erscheinen.
ZahnArzt, Nr. 7/2008
ad Rudolf Kraus: tausend schritte neben mir, 2008
Mehr als 70 zumeist kürzere Gedichte, aufgeteilt auf fünf Zyklen, fast immer mit Entstehungsort und Entstehungsjahr versehen, oft eine Widmung an einen bedeutenden Autor oder einen Freund oder eine Freundin enthaltend, markieren und charakterisieren dieses neueste lyrische Opus des Schwärmers und schwarzen Romantikers mit Feingefühl Rudolf Kraus.
Der Frauenliebhaber, Biertrinker, Fussballfreund, umsichtiger und kreativer Bibliotheksmanager und fürsorglicher Kinderbetreuer, gibt sich als Bücherei-, Literatur- und hier vor allem Lyrikfachmann zu erkennen, der von der Barockdichtung über Heinriche Heine, Joseph von Eichendorff und Friedrich Nietzsche bis zu Beckett, Majakowsky, Neruda, T. S. Eliot, Ezra Pound und Ungeretti mit poetischer Größe und Bedeutung vertraut ist, der auch weibliche Schöpferkraft (Sappho, Achmatowa) sehr schätzt und dessen geographischer Kosmos von Wien über seinen Kindheitsort Bad Fischau-Brunn, über Puchberg und Losenheim vor allem sehr sehr häufig nach Bozen (zerlegbar in bo-zen) reicht und Köln, Hamburg sowie Rhodos mit einschließt.
Bei der hohen Anzahl von Sprachbildern und Empfindungs-Preisgaben einen gemeinsamen Nenner oder eine festlegbare Zielrichtung zu finden, ist schwierig.
Wortgewalt im Kleinen, Weltsicht im Privaten, Provakation neben dem Gelingen der leisen Töne, Selbstzweifel und Verachtung von Irrwegen, jener Mix, der den echten Dichter ausmacht, ist hier zu finden und wertschätzend zu bewundern ...
Literarisches Österreich, Alfred Warnes, Juni 2009
ad Rudolf Kraus: tausend schritte neben mir, 2008
In den bildreichen und sehr persönlichen Gedichten
von Rudolf Kraus spiegeln sich die männlichen
Sehnsüchte und Gefühle des zeitgenössischen
österreichischen Autors wider – einerseits
zeitlos menschlich in den Empfindungen und Formulierungen,
andererseits zeitgemäß im Witz und
der manchmal durchscheinenden Resignation.
Der 1961 in Wiener Neustadt geborene Lyriker
und Prosaautor, der seit 1999 regelmäßig Literatur
veröffentlicht, führt die Leser in seine intime
Welt der Empfindsamkeit, Verletzbarkeit und Verwirrung,
die entsteht, wenn er sich bedingungslos
seinen Gefühlen hingibt und sich selbst „tausend
schritte neben sich“ wiederfindet. Liebestaumel
wechseln mit Orientierungslosigkeit, sinnliche
Naturbetrachtungen mit Selbstironie und Künstler-
Hommagen mit morbider Gelassenheit (z.B.
„auf wahres glück / folgt meist verderben / ein
kleines stück / vom echten sterben“ oder „ich bin
frei / endlich frei / nichts steht mir mehr im wege
/ außer ich selbst“ oder auch „das ende liegt
immer / unter der erde / aber seine seele / lacht auf
ewig“).
Eine schöne Verführung in die pure Poesie – wehmütig
im süßen Schmerz mit einem Hauch von
Todessehnsucht. Einfach österreichisch – und
Bücherschau, Biene Tanner, Jänner 2009
Rudolf Kraus: tausend schritte neben mir, 2008
Wenn vor den Abschnitten des Bandes Zitate von Harsdörffer, Eichendorff, Trankl und Nietzsche stehen, kann man sich auf etwas Pathos, auf einen Zug zum Tragischen durchaus gefasst machen. Und auf so etwas wie Empörung zum Leben hin. Und das weite Feld der Beziehungen kann ohnehin stets ein Minenfeld sein oder zumindest eine Dornenhecke: Die garstigen Stiefschwestern der Liebe, die Eifersucht zum Beispiel oder die Enttäuschung, sind wohl nur wenigen fremd. Und die Befindlichkeit als Mann, geprägt durch das Dings, das irgendwie lach- und zugleich schicksalhafte. Rudolf Kraus enttäuscht in seinem Band beide Erwartungen keineswegs: „Er beschreibt Höhen und Tiefen, Unwegsamkeiten, Abgründe, Neben- und Umwege“, so der Herausgeber Anton G. Leitner. Und einmal vergleicht er die Liebe mit Sperlingen im Oktober. Tatsächlich kommen große, auch negative Gefühle so direkt daher, dass es einem unheimlich werden könnte. Aber ebenso oft bricht sich jedes Pathos an derben Endreimen, die beim ersten Blick wie billige Pointen erscheinen und es beim zweiten keinesfalls sind: die (scheinbare) Ironisierung von Gefühlen lässt einen um so klareren Blick auf sie zu – oder vielleicht keinen klareren, sondern doch tieferen. Die Vanitasstimmung, das nachgerade klassische Memento Mori wie auch die bodenständige Zwiderkeit hinter der sich Depression und Verzweiflung gut zu verbergen vermögen, lösen sich auf in – wenn auch bitteren – Scherz: lupenreines Barock also, wie auch die bekundete Nähe zum Alkohol und wie die Freude an weiblichen Körpern. Doch sehr gegenwärtig scheinen die männlichen Selbstzweifel: ein Kerl wie früher sein, das geht nicht mehr und das will auch nicht mehr; sie – die mit den weiblichen Körpern – wollen es auch nicht. Aber wie sein? Ein moderner Anakreon ... Neben Freude und Leiden mit dem Weibe, neben dem Heimtorkeln zu später Stunde macht Rudolf Kraus aber auch seine literarischen Vorlieben zum Thema, schuf lyrische Würdigungen: Neruda, Heine, Ungaretti, Achmatowa, Ritsos. William Blake sogar, Sappho sogar – persönliche Reflexe eines manischen Lesers, Miniaturen jeweils, die naturgemäß nicht dem Werk der betreffenden Autoren und Autorinnen gerecht werden können, es naturgemäß auch nicht versuchen: Wörter und Sätze, die wohl unmittelbar nach der Lektüre in dunklen Nächten, an verregneten Nachmittagen oder was immer entstanden sind, als persönliche Kommentare, als ein Versuch, sich anzunähern an einen Dichter, eine Dichterin.
Bücherschau 182, Biene Tanner, Jänner 2009
Rudolf Kraus: tausend schritte neben mir, 2008
Kurier-Krone-Journal – unter dem Titel „Liebesgedichte und männliche Empfindungen“
Kurier-Krone-Journal, 26. November 2008
ad Peter Miniböck: Iwan, 2006
„Ich hatte ein Engel zu sein. Kein Stein. Und weinte dennoch oft. Engel weinen nicht; Tränen sind nur die sichtbaren Zeichen einer inneren Gefangenschaft, eines ungelösten Konflikts“ Diese und viele andere Gedanken trägt der Ich-Erzähler in sich, als er durch die Innere Stadt Wiens spaziert, vor allem durch die Domgasse beim Stephansdom, wo er als Kind gewohnt hatte. In behutsamer und ruhiger Form erzählt der österreichische Schriftsteller Peter Miniböck die Geschichte von Iwan, der im Wien der Nachkriegsjahre ohne Vater aufwächst. Kein Einzelfall in dieser Zeit, aber dennoch ein Einzelschicksal. Der nicht vorhandene Vater wiegt für Iwan stärker als jede körperliche Entbehrung, die in den ersten Jahren nach dem Krieg Alltag war. Der Eindruck, dass es sich hier um eine autobiographische Geschichte handeln könnte, wirkt nahezu augenscheinlich (und könnte demnach reine Fiktion sein).
Die Mutter schreibt berührende Briefe an den abwesenden Vater, in der anfänglichen Hoffnung, dass er irgendwann in der Türe stehen würde. Neben den Erinnerungen des Sohns und Ich-Erzählers stehen Gegenwartsbetrachtungen, Zitate sowie Presseinformationen aus der Nachkriegszeit in einem dichten und mannigfaltigen Wechselspiel.
Peter Miniböck versteht es in gekonnter Manier die ganz leisen Töne hörbar zu machen. Durchgehend überzeugt dieser Text in all seiner Vielfalt: leise, feinfühlig, poetisch und mit Bedacht erzählt:
„Draußen sollte ich sein. In den Wäldern. Und mit den Bäumen reden. Die auf jeden warten.“ Also nehmen Sie sich die Zeit, dieses Buch zu lesen. Es wirkt langsam, aber nachhaltig.
www.buchkritik.at, Rudolf Kraus, 11. März 2008
ad Erich Sedlak: Notlandung im Schlaraffenland, 2008
In seinem neuen Buch fliegen dem P.E.N.-Club-Präsidenten Erich Sedlak die allzu täglichen Dramen im Zuckermäntelchen zu. Andere entpuppen sich als bittere Abgründe. Die Rettung ist oft eine Notlandung. Dabei kann es vorkommen, dass jemand seinen Weinkeller sprengt, um seine Gäste loszuwerden. Der Autor öffnet die Augen und das Herz für das bitter-süße Menschliche. Eine aufheiternde, sonnige Lektüre, mit der man an kalten Winterabenden gerne am Sofa landet.
bk, ROTWEISSROT, Auslandsösterreicher Journal 4/2008
ad Lothar Böhnisch: Viele Männer sind im Mann, 2006
„Der in Dresden lehrende Soziologe diskutiert in kurzer und essayistischer Form verschiedene Aspekte und Problemfelder moderner Männlichkeit ... Seine Kerndaiagnose: Heute seien unterschiedliche Männlichkeitstypen gleichzeitig gefragt - auch seitens der Frauen. 'Viele Männer werden in einem Mann gesucht.' Daher würden in der Werbung, aber nicht nur dort, verschiedene 'Männlichkeitsmodule' angeboten, aus denen Männer auswählten könnten.
Böhnisch entfaltet ein Kaleidskop gelebter und herausgeforderter Männlichkeit, das anregend ist und Männern die Augen für ihre Sitaution in der Gesllschaft öffnen kann.“
Publik-Forum, Hartmut Meesmann, 1/2008
ad Hilde Langthaler: wer in aller welt weiß, 2008
Das im Vorjahr in der Edition Roesner erschienene Buch von Hilde Langthaler trägt den Titel „wer in aller weit weiß“. […] Der […] Untertitel „Ungereimtheiten“ […] drückt zweierlei aus: Er bezieht sich erstens auf die Ungereimtheiten im menschlichen Leben, in unserer Welt, in unseren Ansichten von der Welt, und zweitens darauf, dass die kürzeren Texte, die optisch an Gedichte erinnern, nicht gereimt sind. Als Beispiel für die sieben kürzesten Texte sei dieser zitiert: „woher kommen / wohin gehen, weshalb, warum, wofür, / wer bin ich, was bin ich / bin ich / überhaupt?“ Auch die vierzehn längeren Texte enthalten viele Fragezeichen. Einer der Texte endet mit der Frage „wie reimt sich das zusammen?“ Dass sieben plus vierzehn einundzwanzig ergibt, wird durch die 21 interessanten Holzschnitte von Richard Langthaler, dem Ehemann der Autorin, die schon vor längerer Zeit entstanden sind, bestätigt. Hilde Langthaler, die schon mit satirischen Erzählungen, Theaterstücken (zuletzt „Golem Now“) und Kurztexten („gras dein gesicht“) her-vorgetreten ist, geht im vorliegenden Buch ironisch, sarkastisch, auch selbstkritisch über unsere Erde hinaus. Philosophisch-theologische Gedanken klingen an. Immer wieder werden Fragen gestellt über Leben, Liebe, Tod: „ist denn alles falsch, was wir tun?“ - so endet ein Text. Von Lesungen - hin und wieder - kannte man einige der Texte, nun können diese „Skizzen und Notizen“ in dem vorliegenden Band nachgelesen werden und Anregungen zum Nachdenken bieten.
PODIUM, Elfriede Haslehner
ad Hilde Langthaler: wer in aller welt weiß, 2008
„man hat uns ausgesetzt auf einer raumstation, wir können hier nichts anderes tun als warten!“ Das ist der Grundgedanke dieses auch liebevoll ausgestalteten Bändchens. Uralte Fragen nach dem menschlichen Dasein, nach seinem Woher und Wohin, seinem Wie und Warum und nach der Zeit, dem Ablaufdatum unserer physischen Existenz. In diesen kurzen Texten zeigt Hilde Langthaler sich einmal mehr von ihrer nachdenklichen Seite, lässt jedoch dabei Distanz und zwischendurch auch ein gutes Maß Humor erkennen. Wie sonst könnten wir unseren Alltag beschreiben, „wenn am morgen die emsigen ameisen in die u-bahn strömen, fluten, wurrln, drängeln, wieseln, strampeln, stoßen, rudern ... in diesem gewimmel“, das unser Leben prägt, in dieser Hektik, die keinen Stillstand erlaubt: „so treibe ich fort im pulsierenden leben, dem meer aller bilder, der töne, geräusche, der farben, gerüche, geplätscher der sprachen, dem strom der gesichter!“
Hilde Langthaler fasst derlei Bestandsaufnahmen menschlicher Befindlichkeiten in rhythmische Prosa mit deutlich lyrischer Stimmung und manchmal auch entsprechender Zeilenordnung. Denn offenbar lassen sich „große Sehnsucht aus seinem dumpfen dasein irgendwann zum leben zu erwachen“ und die evidenten Fragen nach Sinn, nach „etwas, das einen auf wundersame weise zum menschen macht“, das dieses quälende Hin und Her, „das sogenannte leben“ übersteigt und ergänzt, nur außerhalb des hektischen Alltags artikulieren. In dieser eingängigen, klangreichen Sprache gelingt es auch, Denkanstöße zu transportieren, uralte Fragen nach Sinn und Ziel aufzuwerfen. […] Rudolf Kraus spricht in seinem Vorwort von „suchenden“ Texten, „... manchmal überraschend und verstörend“. Genau dieses Verstörende dürfte es aber sein, das Hilde Langthalers Buch so reizvoll macht, das den gehetzten, gejagten Menschen unserer Zeit Anstoß zu einer erweiterten Weltsicht sein will und damit vor Sinnverlust, Verzweiflung und Rückzug in triste Eindimensionalität bewahren könnte. Ein Rezept dazu gibt es freilich nicht. Richard Langthalers wertvolle Holzschnitte ergänzen den ansprechenden Band und schenken weitere Anregungen.
Literarisches Österreich, Rosemarie Schulak
ad Michael Stradal: Der Beethoven-Tee, 2008
Die Novität: ein österreichisches Qualitätserzeugnis. Vom selben Mann, der schon über 'Das Geheimnis um Mozarts Amalien-Etüde' geschrieben hat. Jetzt hat sich Michael Stradal einem der letzten Rätsel um Ludwig van zugewandt: 'Der Beethoven-Tee' heißt das Buch, und ich will nicht zu viel verraten, außer dass es sehr lesenswert ist. Und spannend.
oe1.orf.at/highlights, Friederike C. Raderer, Januar 2008)
Rudolf Kraus: aus der seele brennen, 2005
Auf den zweiten Blick
Rudolf Kraus’ Gedichte gegen den „Seelenbrand“
Rudolf Kraus aus Wien trinkt gerne Bier. Mit ihm persönlich anzustoßen, dürfte deshalb für den Nicht-Wiener schwierig werden. Rudolf Kraus ist aber auch Dichter. So ermöglicht uns wenigstens sein mittlerweile sechster Gedichtband, der bereits im letzten Jahr in der österreichischen Edition Roesner erschienen ist, eine Begegnung – wenn auch in seinen Texten. Das in seiner schlichten Gestaltung ansprechende Buch trägt den Titel „aus der seele brennen“, was neben der Vervielfältigungstechnik akustischen Materials durchaus auch als eine assoziative Programmatik verstanden werden kann, nämlich Sprachderivate wie in einem alkoholischen Destillationsprozess zu gewinnen, um diese dann bei passender Gelegenheit zu sich zu nehmen. Diese kurzen Texte untertitelt Kraus als neue Sprachminiaturen. Das nahe liegende ist der Körper danach – nach dem Brand. Das klingt dann so:
herbes pils
warme weiche frau
lass mich nie mehr aus
lieb mich mehrmals
einmal ist zuwenig
lieb mich mehrmals
und ich werde fallen
Sinnöffnende Natur und dunkler Rock’n Roll
Kraus führt den Leser leitmotivisch und wie im Rausch durch seine Innenwelt: Die 39 neuen Sprachminiaturen und dreizehn dreizeiler werden mit Überschriften wie sod brennen, barocke [reise] metaphern, zornige lieder sowie den zwischen Haiku und anachronistischem Aphorismus stehenden Dreizeilern thematisch gebündelt. Der für den Leser manchmal mit-reisende Versuch sich an der Krausschen Weltsicht – wie unter einem Makroskop – mit zu berauschen, gelingt immer wieder in sinnöffnenden Naturbeschreibungen (alles gute) und im Mitvollzug einer latent durchschimmernden zweiten Leidenschaft des Autors: der Musik der zornigen Einzelkämpfer. Schon das dem Buch vorangestellte Zitat des „Doors“-Sängers Jim Morrison verrät eine Affinität zum mystischen Rock’n Roll, und so entlässt Kraus die Sprachminiaturen gelegentlich aus dem kleingeschriebenen Alp(t)raum eigener Befind-lichkeiten:
light my fire
die tage sind lang
und gefüllt mit schmerzen
wenn der abend beginnt
ist alles vergessen
gestammel
und bammel
tauschen zungenküsse
und keiner schert sich
um ein gebrochenes herz
das wie feuer brennt
Wer hier in der Mitte an Bimmel und Bommel aus der Harald-Schmidt-Show denkt und am Ende Roland Kaisers Schlager „Santa Maria“ flötet, ist auf dem falschen Trip, auch wenn es einem bei so doppelbödig-maritimen Titeln wie wo die scholle bricht schon mal lustig aufstößt: Der welttrunkene Kraus persifliert vor allem das politisch Erhabene (vegetarier!) – jedoch ohne es dabei vollständig zu verlachen. Der vorerst erbrochene Wahrnehmungsstoff wird sozusagen noch einmal runtergewürgt. Allerdings nicht, ohne ihn uns vorher noch einmal genüsslich serviert zu haben.
Dass Karl – pardon, Rudolf Kraus – dabei gelegentlich nur analysierend versucht, Spaß zu verstehen, zeichnet seinen Seelenbrand als einen traditionell österreichschen aus. Mit seinem Heimatland scheint den gelernten Bibliothekar die für dortige Autoren so typische patriotische Hassliebe zu verbinden; ein Verhältnis, zu deren Bewältigung neben den auslösenden wie kompensierenden Rauschmitteln Bier und Rock’n Roll auch die Beschäftigung mit hiesigen Sprachspielern gehört.
schicksal [österreich]
es goethe mir brecht
wäre mir ransmayr nicht passiert
mitterer wahnsinn
jandl mich zu tode
entartmannt
Zwischen Pathos und dicht bewegter Seele
Kraus verdichtet nicht nur hier gern persönlich: Gut ein Fünftel der Sprachminiaturen sind mehr oder weniger bekannten Dichterkollegen gewidmet; viele Texte kreisen um Liebes-beziehungen und deren Schattenseiten, deren Wirkungen in dem Gedichtband nicht zuletzt zu den sparsam eingefügten Buchillustrationen Kurt Giovanni Schönthalers in ein reizvolles Spannungsfeld geraten; Zeichnungen, die anonyme und doch eindeutig menschliche Körper zeigen.
Zu einigen Dingen, Menschen, bereisten Städten und Situationen entwickelt Kraus ein so gelöstes Verhältnis, dass sie – in schaumig vergossener Sprache – zwar schon mal einen rauschhaften Pathos versprühen, dabei aber auch zum intimen Nachtauchen in dicht bewegte Seelengründe einladen:
revolution
sperma im schamhaar
pfui
ahoi
hanoi
hab keine titten
und meine sitten
sind keinen pfad wert
Zugegeben – wer hier schnell mal drüber liest, bekommt ob solcher Schlagreime schon mal kräftig eins auf die lyrische Zwölf. Gleichwohl wird auf den zweiten Blick und eher schamhaft der Zeitgeist der 68er entschleunigt; eine erinnerte Zeit, die Kraus (Jahrgang 61) als einen adoleszierenden Bewusstwerdungsprozess wieder heraufholt. Diese seltsame Entrückung disparater Perspektiven, in der eine subjektive Moralreflexion scheinbar flockig in einen überindividuellen Zusammenhang gewuchtet wird, macht die Gedichttexte zu einer assoziativen Herausforderung – nicht nur für den Miniaturfreund.
In seiner Heterogenität gelingt es Kraus manchmal, das unmittelbar Erlebte sprachlich so weit zu eröffnen, dass sein poetologisches Selbstverständnis selbst zutage tritt; ein Selbstverständnis, dass nach kommunikativer Anwendung schreit: Viele der Gedichte wollen zu ihrer Entfaltung laut gelesen werden. Im beiläufigen Licht manch ironischer Grenzbereiche von Sprache dekantiert sich nicht selten die großstädtische Lebenserfahrung des Wieners:
Minimalphilosophie
manchmal
altklug
nie
neureich
Und auf der nächsten Seite dann sogleich:
Maximalphilosophie
manchmal
glücklich
nie
zufrieden
Gerne möchte man da (ob so ausgeprägter Selbstironie) nickend zustimmen, kann es aber dann doch nicht immer so ganz: Es gibt unter den neuen Sprachminiaturen auch einige Titel, die unter ihrer stopfigen Kandierung die zum Teil vielschichtigen Texturen entstellen (romanze in schwarz) oder – im Umkehrfall – in ihrer Bedeutungsschwere vom Text selbst nicht mehr verdaut werden. Besonders dann, wenn Kraus sich manchmal arg abgedroschener Bilderzitate bedient, wird das im Leser einmal entfachte Feuer schnell wieder gelöscht. Lyrische Klischees wie die immer wieder heraufbeschworene Herzmotivik führen gelegentlich über den assoziativen Trampelpfad direkt in die sprachliche Mumifizierung. In der zur Miniatur gealterten Sprachhülle bleibt dann nur das kritische Zerfallsprodukt übrig – Hornhautlyrik als ein memento mini. Diagnose: Stellenweiser Sprachstillstand durch Verkitschung. Die dreizehn dreizeiler huldigen in ihrem programmatisch hingehuschten Reduktionismus solch einer gepflegten Entsinnung.
Kryptisches wirkt als Synapsenbalsam
Doch das Profane und das Erhabene kuscheln bei Peter – pardon, Rudolf Kraus – gern und häufig miteinander und selbst Kryptisches wirkt im Leser in der Regel als Synapsenbalsam. Einem anscheinend so abgestandenen memento mori-Sujet gewinnt Kraus jedenfalls noch etwas Originäres ab:
friedhof im mai
im schatten
mächtiger kastanienbäume
wo tausend träume ruhen
frierst du immerzu
der zartsüße blütenduft
der lauen maisonne
trägt einen schleier
aus bitteren tränen
für einen moment
ist es ganz still
und die erde
atmet tief
Erfrischend bleibt am Ende, dass dem schon vielerorts beachteten Miniatouristen Rudolf Kraus, dem im Juni für sein enervierendes Gedicht die russische seele [weiblich] der zweite Platz des Joker-Lyrik-Preises der Berliner Literaturkritik zugesprochen wurde, die professionelle Routine eines leicht zu identifizierenden Tones versagt bleibt. Die Heterogenität der Sprachminiaturen ist nicht nur eine Schwäche, sondern wirkt zugleich belebend: Man muss ja, auch wenn’s schmeckt, nicht immer dasselbe trinken – Bier berauscht horizontal und Wien, äh Wein, vertikal: Na dann, Prost!“
Die Berliner Literaturkritik, Peer Feldhaus, 26. September 2006
ad Petra Schönbacher: Das Feuer der Baba-Jaga, 2006
„Das Matriarchat war lange Zeit ein missverstandenes und verpöntes Thema. In ihrem Buch über die magisch-mystische russische Märchenwelt zaubert die Autorin lang verschüttetes Urwissen hervor und transportiert wissenschaftliche Erkenntnisse in eine sinnlich-weibliche Leichtigkeit. Ein wahrer Genuss.“
Gesundheit, 9/2006
ad Petra Schönbacher: Das Feuer der Baba-Jaga, 2006
„Lebe und arbeite eine Weile bei mir, dann werde ich dir Feuer geben. Und wenn nicht, dann fresse ich dich!“, sagt die Baba Jaga zu einer jungen Frau. In diesem Buch geht Petra Schönbacher in russischen Märchen auf matriarchale Spurensuche - und wird fündig. (…)
Die russischen Märchen haben der Patriarchalisierung besser standgehalten als die deutschsprachigen, stellt Petra Schönbacher fest. „Sie sind unter anderem deshalb so wertvoll, weil die Transformation bei einer ausreichenden Menge an Märchen nicht so umfassend gegriffen hat.“ Sie interpretiert die Märchen um die Baba Jaga („Baba Yaga“, „Vasilisa die Wunderschöne“, „Klein-Chavrosecka“, „Elena die Allweise“, „Gänse-Schwäne“, „Der kühne Jüngling, die Äpfel der Jugend und das Wasser des Lebens“ und andere) als Beschreibung einer weiblichen Initiation beziehungsweise als patriarchal umgestaltete Reste davon. Unter anderem geht es um Göttinnen und Erbprinzessin - Sippenmutter und jüngste Tochter, die Rehabilitierung der Stiefmutter, die starken Frauen der russischen Märchen, patriarchale Transformation der Märchen, Märchen als Spiegel der historischen Wirklichkeit, die matriarchalen Schicht der Märchen, das Sozialwesen, das politische System, das Wirtschaftssystem, Weltbild, Religion, Spiritualität und Riten des Matriarchats, den Untergang des Matriarchats und matriarchale Völker heute.
Eigentlich gehen mir die vielen Baba Jaga-Interpretationen (…)schon ein bisschen auf die Nerven. Doch Petra Schönbacher arbeitet mit mehr als nur einem Märchen und mehr als nur einer Version und bringt so eine wertvolle Ergänzung zu den bei uns bekannten Formen. Ganz kraß in ihrer brutalen Direktheit - und daher wichtig zu kennen - sind zwei Märchen:
„Tiermilch“, in dem eine unabhängige Frau von ihrem Mann so lange verprügelt wird, bis sie endlich „bereut“ und ihm gehorcht und danach mit ihm „glücklich und in Frieden“ lebt.
Eine Variante von „Elena die Allweise“, in der der Held in einem Buch den Satz „Ein Zar kann nicht einen Zaren gebären, denn geboren wird ein Zar von einer Zarin“ in „Eine Zarin kann keinen Zaren gebären, denn stets wird ein Zar von einem Zaren geboren“ umschreibt, damit einen Drachen täuscht und Herrscher wird.
Für viele ist sicher die Darstellung der Stufen der Patriarchalisierung der Märchen wichtig. Petra Schönbacher nutzt ihre Interpretationen dazu, Informationen über „matriarchale Spuren“ zu geben (in grauen Kästen herausgehoben), über Feuergöttinnen zu erzählen, die Saharasia-Theorie vorzustellen, einen matriarchalen „trip around the world“ zu unternehmen und allgemeingültige Feststellungen zu treffen: „Nicht alles muss erklärbar, erforschbar sein. Manchmal ist es gut zu akzeptieren, dass es auf bestimmte Fragen keine Antworten gibt. ... Sie [Vasilisa] hat eine Grenze erkannt und anerkannt. ... Und ist das Alles-Ergründen-Wollen, der unbändige Forscherdrang ohne Rücksicht auf Verluste nicht ein patriarchaler Wesenszug?“
www.wolfsmutter.com, Irene Fleiss, 03.August 2006
ad Michael Stradal: Das Geheimnis um Mozarts Amalien-Etüde, 2006
„Die phantastische Novelle Michael Stradals ist der wohl abgründigste Beitrag zum Mozartjahr … einmal zu lesen begonnen, kann man dieses spannende Buch nicht mehr aus der Hand legen.“
Mozart now 08/2006
ad Michael Stradal: Das Geheimnis um Mozarts Amalien-Etüde, 2006
„Michael Stradals Buch ist endlich ein wahrhaft kreativer Beitrag zum Mozart-Jahr 2006 …. Pures Lesevergnügen!“
Wirtschaftskurier 07/2006
ad Edith Binderhofer: Der Himmel in meinem Land hat eine andere Farbe, 2005
„Die LebensGeschichten entstanden aus Gesprächen, die Edith Binderhofer 2003 mit 16 in Wien lebenden asiatischen Frauen führte. In fünf einander überlappenden Themenkreisen wurden die Biografien aufgenommen. Ausgehend vom jeweiligen Ursprungsland werden die Rolle der Frau in der Heimat und in Österreich, Lebensstationen und Erfolge sowie Veränderung und Selbstverwirklichung in Wien im Vergleich zum Heimatland angesprochen. Zuletzt wird ausblickend in die Betrachtungen einbezogen, ob das, was sie in ihrer Heimat schätzen lernten, auch hier verwirklicht werden kann.
Spürbar bei der Lektüre wird die Authentizität der Interviews. Trotz Kürzungen wird die hohe Bedeutung mancher persönlichen Aspekte durch erneutes Einbringen mancher Fakten in neuem Zusammenhang deutlich. Die sekundär vermittelten Lebensaspekte von weiteren weiblichen Familienmitgliedern vertiefen den Gesamteindruck des Erzählten. Der Aufbruch in ein neues Land ist zumeist auch der Beginn eines neuen Lebens. Verlust von sozialen Netzen, Startschwierigkeiten und etliches mehr steht - trotz beiderseitigen Vorurteilen - letztlich der Gewinn des größeren persönlichen Freiraums gegenüber.
Chancen und Risken der Aus- und Zuwanderung in Wien aus weiblicher Perspektive zeigen mehr Gemeinsamkeiten auf, als man im ersten Moment vermuten möchte. Eine hochinteressante Lektüre, die man in wohldosierten Abschnitten in sich aufnehmen sollte. Für den engagierten Oberstufenunterricht besonders empfehlenswert.“
S. Strohschneider-Laue, Ebensolch Rez-E-zine, 27&28/2006
ad Rudolf Kraus: aus der seele brennen, 2005
„‚sprachminiaturen’ nennt Rudolf Kraus die in jeder Hinsicht nicht minimalen Preziosen aus seiner lyrischen Werkstatt. Ein freundliches, ironisches Understatement. Sinnlich und melancholisch, vorsichtig und verwegen, mal voller Lebenslust und dann bisweilen wieder die Seele raushängen lassend im Frust, so kommen diese Gedichte daher. Immer aber auf der Suche, wie das Leben denn gehen könnte, und er findet manchmal doch eine Art lebbares Credo: ‚auch ich möchte einst / im schatten mächtiger / olivenbäume ruhen // und mit ihren kernen / auf meine seele spucken’. Sind die ‚zornigen lieder’ des Öfteren durch Songs evoziert (von Jim Morrison bis Johnny Cash), so finden sich über die Texte verstreut eine ganze Menge an Verweisen auf nahe stehende Dichter (von Quevedo, Byron, Keats, Shelley, Kafka bis Hikmet und Paz). Passend (obwohl für die Intensionen der Gedichte nicht notwendig) auch die exzessiven Farbbilder von Kurt Giovanni Schönthaler, die sorgfältig in das schön gemacht Büchlein eingeklebt sind.
Neben dem anarchischen Witz und der Belesenheit des Dichters und Bibliothekars bietet Rudolf Kraus also auch in seinen neuen ‚sprachminiaturen’ etliche Möglichkeiten und Hinweise zur Wahrnehmungsbefreiung. Es sind wunderbar komprimierte und (selbst)ironische Poeme mit genügend Zwischenräumen für voraussetzungs- und ballastlose, freie Blicke - bei denen ich habe aufpassen müssen, sie vor lauter Genuss nicht allzu schnell zu lesen, da sich unter beinahe all den leicht, wie selbstverständlich daherkommenden Text-Schraffuren gleichsam ja so etwas wie (nichtgeschriebene) Eisberge voller Erfahrungen und Bedeutungen zu tümpeln scheinen.“
Bücherschau, Georg Pichler, 05/2006
ad Wolfgang Grußmann: Die hohe Kunst der Kapitulation, 2005
„Ein kleines Buch mit großer Wirkung. Das ‚Handbuch für den Weg in die Leichtigkeit des Lebens’ passt in jede Sakko- und Handtasche ... Schonungslos und gleichzeitig mit sympathischem Augenzwinkern stößt es uns mit der Nase auf die Tatsache, dass es letztendlich nur um die Hingabe ans Leben geht. Empfehlenswert für alle jene Raunzer und Zweifler, die vielleicht einen Moment lang vergessen haben, WER sie tatsächlich SIND, und dass es uns allen zu- und freisteht, GLÜCKLICH zu sein.“
Wege Feb./Mai 2006
ad Rudolf Kraus: aus der seele brennen, 2005
„Der gebürtige Wiener Neustädter und Lyriker Rudolf Kraus ist bereits seit Ende der 70er-Jahre literarisch tätig … Neben zahlreichen Veröffentlichungen in Zeitungen, Zeitschriften und Büchern wie ‚Hoamat strange Homeland’ kann ‚Captain Kirk’ – wie Kraus auch gerne genannt wird, nun mit einem neuen Meisterwerk aufwarten: ‚aus der seele brennen’ beinhaltet neue Sprachminiaturen, umgeben von Farbbildern des ebenso gebürtigen Neustädters Kurt Giovanni Schönthaler. Das Buch ist soeben in der Edition Roesner erschienen.“
Kronen Zeitung, 12/2005
ad Edith Binderhofer: Der Himmel in meinem Land hat eine andere Farbe, 2005
„Schwach, unterdrückt, gehorsam – Das sind die wohl häufigsten Klischeebilder, mit denen Migrantinnen asiatischer Herkunft im Westen konfrontiert werden. Der vorliegende Band versucht, differenziertere Bilder darüber zu liefern, was es bedeutet, als ‚asiatische Frau’ in Wien zu leben. Die Zeithistorikerin Edith Binderhofer hat hierfür die Lebensgeschichten von sechzehn Frauen aufgezeichnet – wobei „Asien“ als geographische Einheit sehr weit gefasst ist und von der Türkei bis Japan reicht. Der Autorin geht es dabei nicht um einen repräsentativen Überblick, sondern darum ‚einen möglichst authentischen, unmittelbaren und emotionalen Zugang zu einer bestimmten Gruppe von Frauen aus einer anderen Kultur möglich zu machen.’“
WeiberDiwan, Vina Yun, Sommer 2005
ad Maria Enichlmair: Abenteurerin Bertha von Suttner, 2005
„Die junge Edition Roesner legt immer wieder Bücher vor, die aufhorchen lassen, wie 2003 Leonhard Schmeisers buchkulturelle Spurensuche "Das Werk des Druckers". Im heurigen Bertha von Suttner-Jahr präsentiert der Verlag ein Buch, das die Jubilarin aus dem Blickkorsett der ‚Friedens-Bertha’ befreit, das auch dort, wo es uneingeschränkt lobend gemeint ist, ein Korsett bleibt. Denn das Leben dieser gerne belächelten Frau hat wesentlich mehr Facetten und ist vor allem auch für die Geschichte der Frauenemanzipation viel aussagekräftiger, als man gemeinhin annimmt. An geschlechtsbedingten Hemmnissen und Widerständen war das Leben Bertha von Suttners reich, und viele ihrer Strategien, dagegen anzukämpfen - zum Beispiel das Ausweichen auf die bürgerliche Vereinskultur, da ihr das aktive wie passive Wahlrecht als Frau noch verwehrt war - haben bis herauf in die jüngste Vergangenheit zu falschen Interpretationen geführt …
Die Ethnologin und Georgienkennerin Maria Enichlmair richtet ihren Blick auf die Person der jungen Bertha von Suttner, auf die Entwicklung, die ihrem Friedensengagement voranging … Neue Perspektiven entstehen auch dadurch, dass Enichlmair systematisch sowohl die spärlichen ethnografischen Berichte Bertha von Suttners wie auch die zahlreicheren von Arthur Suttner und auch dessen ethnografischen Romane auswertet und analysiert …
Enichlmairs Buch ist zweifellos eine wichtige Ergänzung zum bislang bekannten Bild Bertha von Suttners und eine lohnende Lektüre.“
www.literaturhaus.at, Evelyne Polt-Heinzl, 15. Juni 2005
ad Edith Binderhofer: Der Himmel in meinem Land hat eine andere Farbe, 2005
„Vielleicht ist dieses Buch nur zustande gekommen, weil ich zuhören wollte“, beschreibt Maxie Wander in einer Kurzformel den Entstehungsprozess ihres Buches über Frauen in der DDR. Dieses Buch diente der Autorin des vorliegenden Bandes als Vorbild, ebenso identifiziert sie sich mit der Erklärung vom Zuhören-Wollen der in Österreich geborenen, später nach Ostdeutschland übersiedelten Autorin.
In Wien leben rund 40.000 Frauen asiatischer Herkunft, teilweise bereits mit österreichischer Staatsbürgerschaft; die Hälfte von ihnen sind Türkinnen. Edith Binderhofer, Germanistin und Zeithistorikerin, längere Zeit Bildungsreferentin am Afro-Asiatischen Institut in Wien, hat mit 16 von ihnen längere Gespräche geführt und diese aufgezeichnet: Erzählungen über ihre Schwierigkeiten mit dem Leben in einer vielfach unbekannten Kultur, Reflexionen über dieses neue Leben, über die Rezeption als ausländische Frau in der österreichischen Gesellschaft. ‚LebensGeschichten’ ist denn auch der Untertitel des Buches.
Gleichzeitig erfährt die Zuhörerin viel über Frauenleben in den Herkunftsländern - und erkennt, dass Frauenprobleme nicht nur länder- und kulturspezifisch bedingt, sondern globaler Natur sind.
Die Anfangsprobleme der asiatischen Frauen in Wien sind sehr ähnlich. An vorderster Front stehen die Schwierigkeiten mit der individualistisch geprägten westlichen Kultur, das Gefühl von Fremdsein, von Heimweh, die Isolierung. Erfahrungen mit Fremdenfeindlichkeit. Mit zunehmender Aufenthaltsdauer und Integration treten dann aber auch positive Erfahrungen in den Vordergrund: das Kennenlernen von Menschen aus anderen Kulturen in der multikulturellen Großstadt, mehr Freiheiten und mehr Möglichkeiten zur individuellen Entfaltung, Gewinnen von Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit.
Diese Lebensgeschichten sind eigentlich jedem zu empfehlen, Leserinnen und Lesern, Menschen mit Offenheit und Neugier, mit Wissensdurst und kulturellem Interesse. Und vor allem den leider nicht wenigen Menschen mit Vorurteilen, mit Klischeebildern – aber die werden dieses Buch wahrscheinlich nicht einmal in die Hand nehmen.“
Südwind, Nr. 4/2005
ad Edith Binderhofer: Der Himmel in meinem Land hat eine andere Farbe, 2005
„In Gesprächen erzählen in Wien lebende Asiatinnen (Türkei, Irak, Japan) ihre Lebensgeschichten und berichten über Gefühle. Gelungene Momentaufnahme. Fernöstlich.“
WIENERIN, Nr.187, April 2005
ad Edith Binderhofer: Der Himmel in meinem Land hat eine andere Farbe, 2005
„Das Buch hält in Form von Gesprächen Lebensgeschichten von asiatischen Frauen in Wien fest. Die Frauen erzählen von ihrem Leben in ihren Heimatländern und in Wien, zeigen Klischeebilder auf und berichten von Vorurteilen in der alten und neuen Heimat.“
BAO BAB, 4/2005
ad Edith Binderhofer: Der Himmel in meinem Land hat eine andere Farbe, 2005
„In diesem Buch kommen ausnahmsweise nicht westliche ExpertInnen zu Wort, sondern sechzehn in Wien lebende Frauen aus Armenien, der Türkei, dem Iran, dem Irak, Palästina, Indien, Bangladesch, Nepal, den Philippinen, Indonesien, China und Japan. Sie stammen damit geographisch aus allen großen asiatischen Regionen aus Zentralasien, dem Nahen und Mittleren Osten, Südasien, Südostasien und Ostasien. Beruflich sind sie unter anderem als Krankenschwester, Elektrotechnikerin, Sekretärin, Restaurantbesitzerin und Künstlerinnen tätig. Sie geben Auskunft über ihre Lebensgeschichten in Asien und Wien und über Aspekte des Frauenlebens in beiden Welten. Im Zentrum des Buches stehen die Biographien im Originalton, dem sich ein analytischer Teil anschließt …“
www.ceiberweiber.at, erstes.frauen.onlinemagazin, 11. Februar 2005
ad Rudolf Kraus: aus der seele brennen, 2005
„Eine neue Ladung von Sprachminiaturen aus der spitzen Feder des Autors ist in einer bemerkenswert ästhetisch gestalteten Ausgabe erschienen.
Eine ‚Sprachminiatur’ ist hier bereits der Titel, der sowohl in Richtung eines seelischen Feuers als auch als eines Herausbrennens aus der Seele verstanden werden kann.
In Weiterentwicklung des sprachsatirischen Tons der vorangegangenen Bände …. erwarten uns auch hier Wortspiele mit doppeltem Boden und Reisebilder der anderen Art, sowie ‚dreizehn Dreizeiler’ als ironisch gebrochene Anti-Haiku. Poesie steht in Kraus’ neuem Werk neben Kalauer, (abgespeckte) Romantik neben bitterem Sarkasmus …
Eine gesonderte Erwähnung sollen hier auch die gelungenen Farbzeichnungen des niederösterreichischen Malers und Grafikers Kurt Giovanni Schönthaler finden, die dem Betrachter und Leser einen weiteren Zugang zu den Texten des Srachminiaturisten Kraus erlauben.“
Literarisches Österreich, Wolfgang Ratz, 02/2005)
ad Gerald Koller: HIGHMAT, 2005
Es braucht PädagogInnen, die das Risiko nicht scheuen, sich den Themen der Jugendlichen und der Sehnsucht nach Rausch zu stellen. Menschen, die Jugendlichen die Eigenermächtigung geben, mit Rausch- und Risikosituationen umzugehen.
Menschen, die junge Menschen in ihrem Rausch begleiten, die auch dann noch da sind, wenn der Genuss zur Überdosis führt und sich Fehler eingeschlichen haben. Menschen, die fordern, herausfordern und fördern. Menschen, die auch auf die Schulter klopfen und in den Arm nehmen. Menschen, die einen Platz schaffen, wo Erfahrungen reflektiert, über Gott und die Welt geredet werden kann, wo vieles ge- und er-lebt werden kann, wo gefeiert, getanzt, gelacht, getrunken, geraucht, gelernt, ... auch gebetet und getrauert werden kann. Ein Platz, wo Leben in all seiner Fülle stattfinden kann und dies alles gut geheißen wird.
Hermann Hauer
ad Gerald Koller: HIGHMAT, 2005
Den Rausch als magische Praxis zu akzeptieren und zu begleiten
und mithin nicht von vornherein zu sanktionieren, scheint mir ein innovativer und erfolgsversprechender Ansatz einer neuen Prävention.
Walter Kern-Scheffeldt (Pädagogische Hochschule Zürich, klin. Psychologe FSP, Leiter Fachbereich Gesundheitsförderung und Prävention)
ad Gerald Koller: HIGHMAT, 2005
„Literatur stellt im Grunde immer wieder Fragen, die nicht beantwortbar sind und die dennoch und gerade deshalb immer neu gestellt werden, nach dem Tod, nach der Zeit, nach der Erinnerung, nach der Liebe. Sie wird deshalb nicht aussterben und das Lesen wird deshalb nie langweilig werden. Und es wird weiter Leute brauchen, die reflektieren, genauer hinschauen und die versuchen Wegwarten zu setzen. Leute wie Rudolf Kraus.“
Erich Schirhuber (Autor, Lektoratsleiter und stv. Direktor der Büchereien Wien, Chefredakteur von „Neue Wiener Bücherbriefe“)
ad Gerald Koller: HIGHMAT, 2005
„Zur Buchpräsentation ... wählte der Maria Enzersdorfer Verlag ein angemessenes Soziotop: den „Alten Zechhaus“-Keller in Gumpoldskirchen. Gerald Koller, Herausgeber der Anthologie, skizzierte den Zwiespalt Jugendlicher: „Grenzüberschreitung wird als erstrebenswert gezeigt. ... Auf der anderen Seite das Veto der Pädagogik: Das darfst du alles nicht tun.“ ... Das macht den Reiz des Buches aus: Dramatisches, Poetisches und selbst Durchlebtes steht gleichberechtigt neben wissenschaftlichen Analysen, unterwegs zu einer Phänomenologie von Rausch & Risiko. So berichtet etwa Daniela Tatosa von der geglückten Integration rauschhafter Ambitionen in umfassende Spiritualität. Irene Apfalter schildert die Lebenswelt von Borderlinern als psychogenen Rausch. Manfred Zentner wiederum sieht das „Recht“ auf riskantes Vergnügen als Generationenkonflikt. So eröffnen 14 AutorInnen und der ... Photograph Erich Pello zusammen ein Panorama erfrischender Perspektiven in Hinblick auf hartnäckige Tabus.“
NÖN, Harald Edelbauer, 26/2005
ad Irene Apfalter: Atem los, 2005
Irene Apfalter erzählt in einer wahrlich atemlosen Sprache in präziser Weise fünf Tage im Leben einer Sie-Erzählerin.
Diese Erzählerin bzw. Hauptfigur ist AHS-Lehrerin von Beruf und stellt eines Morgens (der gleichzeitig das Ende der Sommerferien bedeutet) fest, dass sie nicht mehr atmet, dass ihr der Atem abhanden gekommen ist. Das Seltsame an dieser Feststellung ist für sie die Tatsache, dass sie dennoch lebt.
Trotz dieses vehementen, unglaublichen Vorfalls versucht sie den Alltag unauffällig zu meistern. Doch im Laufe der Erzählung wird spürbar, wie sich die Tage verknappen, d.h. je weiter die Woche fortschreitet bzw. die Atemlosigkeit anhält desto stärker wird der Druck des Alltags und der Situation.
Zuerst die Flucht in einen erschwindelten Krankenstand, der keine Entspannung, keine Lösung bringt. Immer enger werden die Tage, immer deutlicher und klarer die Ausweglosigkeit dieser Atemlosigkeit.
Irene Apfalter beschreibt in beklemmender Weise und dichter Sprache eine Grenzerfahrung der Gefühle und des Denkens. Sie macht damit auf die psychische Situation einer am Borderline-Syndrom leidenden jungen Frau aufmerksam.
Wenn frau/man diesen Hinweis allerdings nicht hätte, wäre es schwer auszumachen, aus welchem Blickwinkel diese Erzählung verfasst ist. Vielerlei Mutmaßungen sind und wären zulässig, weil es sich in erster Linie um ein Stück Literatur handelt, gute Literatur wohlgemerkt.“
Rudolf Kraus, www.buchkritik.at
ad Eine Maria, die aus Enzersdorf kam …, 2004
Ich glaube, wenn man als Kind in diese Welt des Erzählens eingeführt wird – aufgefordert wird, zu dichten –, begibt man sich schon auf eine höhere Ebene, in der man einen tieferen Blick in die eigene Gedankenwelt bekommt. Einen Blick in die eigenen Tiefen, an denen man vielleicht oberflächlich vorbei lebt.
Elfriede Ott
Eine Maria, die aus Enzersdorf kam …, 2004
In diesem Buch gibt es viele klare und einfache Antworten auf große Fragen unserer Zeit, die es mit Schmunzeln zu entdecken gilt. Getreu einer Weisheit, die der große österreichische Volksdichter Peter Rosegger vor mehr als hundert Jahren niedergeschrieben hat: ‚Die Kinder sind die wirklichen Lehrmeister der Menschheit.’“
Christian Beck
ad Anita C. Schaub: FrauenSchreiben, 2004
,Hatten Sie in Ihrer Herkunftsfamilie feministische Vorbilder?’, ‚Kann frau Schreiben und Familie unter einen Hut bringen?’, ‚Fühlst Du Dich als Autorin jetzt etabliert?’ sind nur einige der Fragen die Anita C. Schaub, Wiener Wissenschafterin und Schriftstellerin, den verschiedensten österreichischen Autorinnen gestellt hat. Und Barbara Frischmuth, Elfriede Haslehner, Elfriede Jelinek, Hilde Langthaler, Renate Welsh und viele andere antworten und sind jeweils mit einem eigenen Text über schreibende Frauen vertreten. So entsteht ein Panorama der Existenzweisen österreichischer Autorinnen, die in ihren Texten auch die ganze Bandbreite von Meinungen und Theorien zu Literatur von Frauen, zu Frauenliteratur, zu feministischer Literatur widerspiegeln ...“
an.schläge/ Weiber Diwan, Frühjahr 2005
ad Jannes Krinner: Roathauberl, da Tatschgakini und ihre Freind, 200
„Roathauberl, da Tatschgakini und ihre Freind ist ein Gedichtband, in dem Jannes Krinner zehn althergebrachte Märchen in steirischer Mundart erzählt und traditionelles Gedankengut mit der heutigen Zeit verbindet. Der Bruch mit Konventionen ist da selbstredend unvermeidlich! Krinners Wortwitz macht die Märchengedichte nicht nur für gelernte SteirerInnen zum Lesevergnügen. Wer mit der Mundart nicht so vertraut ist, findet im Anhang ein kleines steirisches Wörterbuch. (Das ‚Roathauberl’ ist das Rotkäppchen, ‚Tatschgakini’ steht für Froschkönig.)“
Süd- und Weststeiermark – Anzeigen
ad Literarischer Reigen, 2003
’Es war schon lange mein Wunsch, einmal die AutorInnen unseres Ortes zu Wort kommen zu lassen’, freut sich der Kulturreferent Horst Kies über den großen Erfolg, den das in der EDITION ROESNER jüngst erschienene Buch Literarischer Reigen schon bei seiner Präsentation verbuchen konnte ... Niemand geringerer als Festspiel-Prinzipalin Elfriede Ott, selbst auch als Autorin im Buch vertreten, konnte anlässlich der Präsentation für eine Lesung gewonnen werden. Der Andrang seitens des Publikums war groß. Kaum konnte der Saal des Schlosses alle fassen.
NÖN
ad Literarischer Reigen, 2003
„Das vorliegende Buch, ein buntes Mosaik kreativen Schaffens, das ein einmaliges Zeugnis dessen ist, was Bürger einer niederösterreichischen Gemeinde in kultureller, vor allem literarischer Hinsicht Hervorragendes zu leisten vermögen.“
Information und Kultur Maria Enzersdorf
ad Leonhard Schmeiser: Das Werk des Druckers, 2003
„Lesespannung kann man auf sehr unterschiedliche Art und Weise erzeugen. Eine besondere Variante präsentiert die junge Edition Roesner in Maria Enzersdorf - und beweist damit erstaunlichen Mut und eine Leidenschaft für das Büchermachen. Dieses unwahrscheinliche" Editionsprojekt, so heißt es in einer Nachbemerkung, ‚hat in formaler Hinsicht weitgehend experimentellen Charakter. Damit kommt es zur Unzeit in eine Medien-'Landschaft', in der Bücher . . . von den Wirbeln der Marktmechanismen davongetragen werden’. Es sind nicht selten kleine Verlage, die hier korrigierend einspringen. Das Werk des Druckers’ nennt Leonhard Schmeiser seine Untersuchungen zum Buch ‚Hypnerotomachia Poliphili’, erschienen im Dezember 1499. Damit fällt es buchhistorisch gerade noch in die Epoche der Wiegendrucke. Schmeiser nimmt das Erscheinungsdatum als Ausgangspunkt für eine vergleichende Rekonstruktion historischer Medienumbrüche und für einen völlig neuen, ‚materiellen’ Blick auf das Buch. Schon optisch präsentiert sich Schmeisers Untersuchung mit vielen einmontierten Text- und Bildzitaten als ein sinnliches Erlebnis. In den fortlaufenden Text werden Wörter, Zeilen oder ganze Absätze in der Originaltypographie
eingefügt (die Übersetzung wird stets beigegeben, altphilologische Kenntnisse muss man nicht mitbringen), was keine ästhetische Spielerei ist. Schmeiser liest Irregularitäten im Druckbild als wesentlichen Textbestandteil mit. Das folgt einer inneren Logik: Am Übergang von der Handschrift zum Buchdruck hat sich das (Selbst-)Verständnis der Drucker noch nicht gänzlich vom alten Medium abgekoppelt.
Das anonym erschienene Buch stammt aus der Werkstatt des berühmten venezianischen Humanisten und Buchdruckers Aldus Manutius, der sich ab 1490 um eine philologisch genaue Edition antiker Texte bemühte und damit Buchgeschichte schrieb. An der Textoberfläche präsentiert sich der ‚Traumliebeskampf des Poliphil’ als Geschichte einer großen Liebe mit vielen gelehrten und rätselhaften Abschweifungen. Poliphil träumt von seiner unerfüllten Liebe zu Polia; er durchläuft eine Art Initiationsweg bis zur mythischen Hochzeit auf Kythera, der antiken Insel der Liebesgöttin. Das philologische Rätselraten über die verschlungene Handlungsführung und über die Verfasserschaft füllt ganze Buchregale. Schmeiser fängt noch einmal von vorne an und unternimmt eine "intermediale Lektüre", die Text, Druckbild und Illustrationen als gleichwertige Elemente im Entschlüsselungsverfahren behandelt. Wenn man die Hürde des etwas verrätselnden Sprachduktus überwindet, verfolgt man die Entbergung der Spuren und den allmählichen Aufbau eines Interpretationsgebäudes mit wachsender Begeisterung. Da wird aus der Zypressenallee, die zu einem Palast führt, eine Bibliothek mit wohlgeordneten Buchregalen (die der Ungeziefer wegen gerne aus Zypressenholz waren), aus dem Wald mit dichtem Blätterdach die Druckerwerkstatt, an deren Zimmerdecke die ‚Blätter’ der Druckbögen zum Trocknen hingen.
Die ‚Magna Porta’, durch die der Held seinen Prüfungsweg betritt, ist aufgebaut wie ein Druckbogen, das Labyrinth dahinter liest Schmeiser als die früheste Beschreibung der technischen Funktionsweise einer Druckerwerkstatt; das Schiff, das die Liebenden nach Kythera bringt, ist in der Bildbeigabe als Filete erkennbar - ein Instrument zum Verzieren der Bucheinbände.
Historische Daten und Fakten werden sichtbar, Savonarolas Verbrennung ebenso wie die Biographie des Aldus Manutius und die Höhe der Abgaben, die er bei der Gründung seiner Druckerwerkstatt zu zahlen hatte. Auch ein Mordfall fehlt nicht, und Schmeiser klärt ihn ein halbes Jahrtausend später mühelos auf, denn der Name des Täters ist aus dem Buch herauszulesen. Es ist jener Dominikanermönch Francesco Colonna, dessen Name
sich aus den kunstvollen Initialen der Buchkapitel ergibt, weshalb er bisher als Verfasser des Werkes galt.
Der viel belesene Autor aus damaligen Tagen lässt ‚den Leser auf Schritt und Tritt die
Defizienz der eigenen Kenntnisse und die nie zu bannende Gefahr spüren, dass das Verständnis des Texts bereits an diesem Mangel scheitert, schreibt Schmeiser über Poliphils Traumabenteuer, und das selbe gilt auch für seine eigene Untersuchung. Verifizierbar ist für den Durchschnittsleser nichts, aber plausibel alles, und ein veritables Lese- und Schauvergnügen obendrein.“
Wiener Zeitung, Evelyne Polt-Heinzl, 17. Dezember 2004
Leonhard Schmeiser: Das Werk des Druckers, 2003
„Es bleibt … das Verdienst dieses unbedingt lesenswerten, auch prächtig illustrierten Buches, die gesamtkünstlerische Leistung desjenigen gewürdigt zu haben, der Text und Bilder zu einer einmalig geglückten Verbindung zu montieren vermochte.“
Zeitschrift für italienische Sprache und Literatur, Gerhard Goebel/ Italienisch, 11/ 2004
ad Anita C. Schaub: FrauenSchreiben, 2004
„FRAUENBUCH – 17 österreichische Autorinnen über ihre Schwierigkeiten, sich im Literaturbetrieb gegen Männer zu behaupten. Dazu: ein unveröffentlichtes Interview mit Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek: ‚Das Männliche wird alles, was Frauen hervorbringt, immer verachten.“
WOMAN, Andrea Braunsteiner, 29. Oktober 2004
ad Leonhard Schmeiser: Das Werk des Druckers, 2003
„Die europäische Literaturgeschichte, aber auch die Wissenschaftsgeschichte, die Politik, allgemein die europäische Kultur ist durchzogen von einem Kampf um das Wort, die Erweiterung des Sagbaren, von einer fast möchte man sagen lärmenden Geste der Auflehnung gegen geltende kommunikative Tabus. Daneben, neben dieser sozusagen offiziellen Kulturleistung, die das Selbstverständnis der Europäer geprägt hat, gibt es jedoch noch ein anderes, unscheinbareres Ringen um Sprache, das keine Barrieren niederreißt und keine Grenzen überschreitet, und doch dem erstgenannten an Dramatik keineswegs nachsteht. Ich rede von Mitteilung unter der Bedingung von Zensur: ein Ringen nicht eigentlich um Worte, sondern darum, eine Botschaft vernehmbar zu machen, obwohl über die richtigen Worte ein unabwendbares Verbot verhängt ist, mithin immer nur Falsches, Belangloses gesagt werden kann. Ein Beispiel für diesen anderen Kampf um das Wort ist die Hypnerotomachia Poliphili. Dieses berühmteste aller Druckwerke der Renaissance birgt eine Botschaft, die wie ein in Druckerschwärze eingefangener Aufschrei wirkt und zugleich so hart am Schweigen liegt, daß sie, obwohl das Buch unzählige Male und von unzähligen Menschen gelesen wurde, ein halbes Jahrtausend lang überhört wurde.
Die übliche Weise, eine Botschaft trotz wie auch immer gearteter Verbote, die deren explizite Formulierung verhindern, mitzuteilen, besteht darin, Zeichen zu verwenden, die diejenigen, die Macht haben, das Sagbare zu definieren, nicht kennen. Ich könnte mir etwa einen Code ausgedacht haben, der den Wörtern meines Vortrags eine ganz andere Bedeutung zuweist, als die Ihnen bekannte, sodaß ich, während Sie glauben, mich zu verstehen, gerade dabei bin, eine ganz andere Botschaft in die Welt zu senden. Das ist die Weise von Gefängnisinsassen, Kryptographen oder Militärstrategen. Die Hypnerotomachia, und das ist vermutlich der Hauptgrund dafür, daß ich Ihnen die Botschaft dieses Buches nach einem halben Jahrtausend als Entdeckung präsentieren kann, geht anders vor: verwendet nicht Zeichen, Symbole mit feststehenden, aber im jeweiligen Kontext der Mitteilung unbekannten Bedeutungen, also keinen Code, sondern setzt die üblichen, bekannten Zeichen so ein, daß sie bei entsprechender Lektüre auf andere ebenso übliche, bekannte Zeichen hinweisen. Diese Hinweise werden nicht als eigenständige Zeichen faßbar, sondern lediglich als Abweichungen, Fehler, Regelverstöße im Rahmen des jeweils verwendeten Zeichensystems. Man kennt derartige Regelverstöße aus der Psychoanalyse, nämlich unter dem Namen Symptom. Symptome verbergen, weil und solange sie als Fehler angesehen, mithin von den anderen als nicht zum Text gehörig beiseite geschoben, beim Zuhören oder Lesen automatisch korrigiert werden, etwa wie das Flimmern eines Bildes, ein Stottern oder ein Druckfehler; sie beginnen jedoch zu sprechen, sobald ein Analytiker sie ernst nimmt, nämlich nicht als Defizienz, sondern als Moment eines latenten Texts auffaßt, der eine dem Analysierten selbst verschlossene Botschaft birgt. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Hypnerotomachia, allerdings mit dem wesentlichen Unterschied, daß die Symptome dieses Buches nicht Ausdruck psychischer Prozesse sind, sondern einer virtuosen, äußerst kunstvollen Handhabung des Mediums Buch, und daß sie keine Geschichte von unbewußten Wünschen und Kränkungen erzählen, sondern von expliziten Sehnsüchten, geschehenem Unrecht und einer hoffnungslosen Ohnmacht.“
Leonhard Schmeiser in einem bei den Kulturtagen Lana (Südtirol/Italien) im September 2004 gehaltenen Vortrag
ad Leonhard Schmeiser: Das Werk des Druckers, 2003
Wenn Schmeiser in seiner Analyse auf den (letztlich auch eingelösten) Anspruch einer stringenten Wissenschaftlichkeit ... verzichtet hätte, hätte er auch einen spannenden, im Milieu der heranbrechenden Neuzeit und der aufblühenden Renaissance spielenden Kriminalroman schreiben können.
August Ruhs
ad Maria-Christine Leitgeb: Liebe und Magie, 2004
Ficinos Texte sind keine leichte Lektüre. Ihr stets gegenwärtiges platonisches Hauptthema wird in einer Vielzahl von Formen naturwissenschaftlichen, medizinischen, astrologischen, mythologischen, ja magischen Charakters variiert. Dazu bediente sich Ficino nahezu der gesamten ihm vorausliegenden philosophischen und wissenschaftlichen Literatur, sodaß die Fülle seiner Quellen und Bezugstexte einen fast ebenso allseitig gebildeten Leser erwartete.
Umso notwendiger und erfreulicher ist es, wenn nun ein zentraler Abschnitt aus Ficinos berühmtestem Werk in umfassend erklärender und interpretierender Weise zugänglich gemacht wird.
Eugen Dönt
ad Otmar Bauer: 1968, 2004
... Zu Wort gemeldet hat sich Otmar Bauer, seinerzeit im Umkreis des Wiener Aktionismus und an mehreren Gemeinschaftsaktionen und –filmen beteiligt, aber auch mit eigenen Aktionen/Filmen hervortretend, Mitglied der sogenannten „Österreichischen Exilregierung“ in Berlin ab 1969, neben Brus, Rühm, Wiener etc. Dann am Aufbau der AAO-Kommune beteiligt und Kommunarde fast bis zum bitteren Ende, das er mit herbeiführen half. In einer Art Tagebuch, 1968 – autobiographische notizen, kommentiert er wiener aktionismus, studentenrevolte, underground, kommune friedrichshof, mühl ottos sekte, von 1965 bis zur Auflösung der Kommune 1989 ... Seine Aufzeichnungen sind authentisch und er nimmt kein Blatt vor den Mund, auch nicht bezüglich der eigenen Situation … vor allem Otto Muehls Profil gewinnt auch bei Bauer zunehmend hässliche und brutale Züge. Im Künstlerunderground war und ist wohl nicht alles so rosig, wie es von außen und im romantisierenden Rückblick meist aussieht.
(testcard #14)
ad Otmar Bauer: 1968, 2004
„Provokant, radikal-direkt und ganz in der einst gängigen Sponti-Diktion beschreibt Otmar Bauer in seinem neuen Buch die Jahre 1965 bis 1989. Mit dem Blick hinter die Kulissen wolle er, so der heute 59-Jährige‚ die Dinge verständlich machen und aufräumen mit falschen Mystifizierungen.“
Profil, 09/04, Marianne Enigl
ad Otmar Bauer: 1968, 2004
Otmar Bauer – „Kunst als Waffe“
Otmar Bauer, österreichischer 68er, stellt zur Zeit in der Galerie Kunst und Handel in der Grazer Einspinnergasse seine Werke aus. Zur Eröffnung las er in der Galerie aus seinem Buch „1968“ und stand uns in einem Interview Rede und Antwort zu seinem bewegten Leben von der ersten von ihm organisierten Opernballdemo über die berühmte Uni-Aktion „Kunst und Revolution“ bis hin zur Kommune Friedrichshof:“Wie sehen Sie Aktionismus?
Otmar Bauer: Ich bin ja aus dem Aktionismus ausgestiegen, weil ich die Aktionisten nicht mag. In Wirklichkeit sind ja alle am Kunstmarkt orientiert. Ich aber war Underground, Studentenrevolte und Aktionist. Der Underground mit seinen Festivals hat den Wiener Aktionisten damals das Becken gegeben, um aufzutreten. In diesem Sinn haben wir leider die Kuckuckseier großgezogen. Deshalb bezeichne ich mich nur als 4-1/2. Aktionisten (neben Brus, Nitsch, Mühl und Wiener, Anm. d. Red.) …
80 Kulturzeitung, 18. Juni 2004
ad Otmar Bauer: 1968, 2004
Aufschrei Aktionismus
Der „Skandal“. Während woanders die 68-er Studenten revoltierten, waren das in Wien die Künstler.
... Was rückblickend von der Kulturwissenschaft in den ‚Wiener Aktionismus’ (…) und die meist mehr mit Literatur assoziierte ‚Wiener Gruppe’ eingekastelt wurde, stellte wohl die radikalste künstlerische Bewegung der aktionistischen 60er Jahre dar. Statt wie in Frankreich und Deutschland die Studenten, revoltierten in Österreich die Künstler gegen Verlogenheit und Kleinbürgerlichkeit, so MAK-Direktor Peter Noever: ‚Sonst wäre Wien im Sumpf der tiefsten Harmonie und größten Scheinheiligkeit stecken geblieben.’
Eine bedrückende Atmosphäre, der der 2004 verstorbene ehemalige Mühl-Kommunarde Otmar Bauer in seinen autobiografischen Notizen ‚1968’ (EDITION ROESNER) ein ebenso bedrückendes Denkmal gesetzt hat.
Die Presse, Almuth Spiegler, 14. Mai 2004
ad Monika Höglinger: Verschleierte Lebenswelten, 2002
… Der mit 7.000 Euro dotierte Preis des Renner-Instituts wurde von SPÖ-Vorsitzenden Alfred Gusenbauer überreicht. Gemeinsam mit Kapuscinski wurden fünf Bücher mit Anerkennungspreisen prämiert. Monika Höglinger erhielt die Auszeichnung für eine Studie über die Bedeutung des Kopftuches für muslimische Frauen mit dem Titel „Verschleierte Lebenswelten“ …
APA, Wien, 25. Mai 2004
ad Monika Höglinger: Verschleierte Lebenswelten, 2002
Während vielen Musliminnen in den 70er- und 80er-Jahren den Schleier ablegten, ist das Kopftuch für manche ihrer Töchter Teil einer neuen Identität.
DER STANDARD, Heidi Weinhäupl
ad Monika Höglinger: Verschleierte Lebenswelten, 200
Wir sollten unsere eingeengte Wahrnehmung von Kopftuchträgerinnen durch das Erweitern unseres Blickfeldes differenzieren – in diesem Sinn ist das Buch von Monika Höglinger mit seinen Schlaglichtern ein Beitrag zu antirassistischer Bewusstseinsbildung
frauensolidarität, Christina Buder
ad Monika Höglinger: Verschleierte Lebenswelten, 2002
Barbara Frischmuths Nachwort macht darauf aufmerksam, daß es höchst an der Zeit ist, sich mit der ‚Vielfalt der Lebenswelten‘ in Österreich vertraut zu machen.“
Die Presse
ad Monika Höglinger: Verschleierte Lebenswelten, 2002
Bäuerinnen tun es, Nonnen tun es, sogar Surf-Cracks und Snowboarder tun es, doch nur bei muslimischen Mädchen und Frauen ruft es so viele negative Emotionen und Vorurteile hervor: das Tragen eines Kopftuches.
fiber, Daniela Digruber
ad Monika Höglinger: Verschleierte Lebenswelten, 2002
Das islamische Kopftuch – Ort kontroverser Gefühle und Phantasien.
an.schläge, Karin Eckert
ad Monika Höglinger: Verschleierte Lebenswelten, 2002
Aus den Lebenskontexten wird verständlich, wie diese Frauen denken und leben
Familien - Zeitschrift des Katholischen Familienverbandes Österreichs
ad Leonhard Schmeiser: Das Werk des Druckers, 2003
Die im Jahre 1499 beim venezianischen Drucker Aldus Manutius erschienene Hypnerotomachia Poliphili gilt als das schönste gedruckte Buch der Renaissance: seine in reiner Antiqua gesetzten Textblöcke und die klaren Linien seiner Bildblöcke mögen diese Einschätzung rechtfertigen. Aber damit sind die Übereinstimmungen unter den Kennern dieses Werkes auch schon erschöpft. Sein aus zwei neugriechischen Komposita zusammengesetzter Titel deutet schon an, daß es nicht eine klare und stringente Durchführung irgendeines Themas - etwa literarischer oder theoretischer Art - leistet. Sondern eine vielfach zwischen Schlafen, Träumen, Wachen verschachtelte Liebesleid- und Liebesprüfungsgeschichte, die schließlich gut endet, dann aber in einem zweiten Teil noch einmal oder vielmehr zweimal erzählt wird und sich schließlich in Nichts auflöst. Eingeflochten sind in diese Geschichte derart viele Wahrnehmungen von antikischen bzw. renaissancehaften Bau- und Bild- und Zeichenwerken, daß sie über die Rolle bloßer Versatzstücke hinauswachsen. Da der Inhalt des Buches eher ratlos macht und das Werk keinen plausiblen Verfasser nennt, ist denn auch die Suche nach dem Verfasser zur Hauptbeschäftigung der Interessenten geworden. Zwar hat man sich seit langem daran gewöhnt, den im Buch chiffriert auftauchenden Namen Francesco Colonna für den Namen des Autors zu halten. Aber schon die Zuschreibung dieses Namens an einen gleichnamigen venezianischen Dominikanermönch, von dem im übrigen nur bekannt ist, daß er seine einflußreiche Stellung mehrmals aber immer nur vorübergehend räumen mußte, weil er sich schwere Verstöße gegen die Ordensdisziplin zu leisten pflegte, schon diese Zuschreibung erscheint unglaubwürdig. Alternativ und ebenso wenig überzeugend hat man einen gleichnamigen Aristokraten und Diplomaten aus Palästrina für den Autor gehalten. In den letzten Jahren häufen sich die Versuche, für die in dem Buch ausgebreitete Wissensmasse denjenigen als Autor namhaft zu machen, dem Jacob Burckhardt als einzigem den Ehrentitel „uomo universale“ zugesprochen hatte und der als Renaissance-Genie genugsam bekannt ist: Leon Battista Alberti (so Emanuela Kretzulesco Quaranta, Gerhard Goebel, Liane Lefaivre).
Ohne sich in diese Diskussion um den wahren Verfasser des berühmten Buches hineinzubegeben, behauptet der österreichische Philosoph Leonhard Schmeiser in seiner Schrift Das Werk des Druckers. Untersuchungen zum Buch HYPNEROTOMACHIA POLIPHILI (Maria Enzersdorf 2003), das Besondere jenes Buches liege darin, daß der Drucker selber sein Autor sei, und diese Tatsache liefere überhaupt erst den Schlüssel für eine Lektüre des Buches, dessen Darstellungsweise sich entschieden von der gewöhnlichen, von Schmeiser „signifikativ“ genannten Darstellungsweise unterscheide. Die ungewöhnliche nämlich „intermediale“ Textstrategie versuche nicht, mit ihren Darstellungselementen möglichst direkt Bedeutungen zu liefern, die sich einigermaßen klar aneinanderfügen. Der „intermediale“ Text verdichte und verwirre seine heterogenen Elemente (lateinische und griechische Sprache, Text und Bild, Zeichen und Bedeutungen) so in- und gegeneinander, daß die Widersprüche und Spannungen das Medium dysfunktional, eher opak als transparent machen. Das Gedränge der Symbole wird chaotisch, d. h. „diabolisch“. Nur eine Lektüre, die sich auf den solchermaßen intermedialen Text einlasse, und selber intermedial oder medieninsistierend werde, habe da eine Chance, auf einer zweiten Stufe dann doch noch signifikativ zu werden.
Schmeiser scheint damit eine öfter vertretene medientheoretische oder diskursanalytische Ansicht zum Argument für eine verblüffende historische These umzufunktionieren. Er stützt seinen Gedankengang zusätzlich mit der medienhistorischen Behauptung, derzufolge die Erfindung des Buchdrucks überhaupt erst den reinen Autor, den bloßen Textlieferanten hervorgebracht habe, welcher die mediale Realisierung seines Textes gänzlich einem anderen überlassen müsse. Damit sei der Autor von vornherein in eine Abhängigkeit geraten, aus der es nur einen Ausweg gebe: die Personalunion von Drucker und Autor. Mit dem Buchdruck sei andererseits eine kulturpolitische Schwelle überschritten worden, die gerade für Aldus Manutius ausschlaggebend geworden sei: erst damit sei die Restitution antiker Texte, die bislang nur in einzelnen unsicheren Abschriften existiert hätten, möglich geworden: selbst fehlerhafte Editionen seien damit überprüfbar und korrigierbar geworden. Die Wiederherstellung der Antike aber sei für Aldus Manutius, dessen Hauptwerk die Aristoteles-Edition war und in dessen Werkstatt häufig nur Griechisch gesprochen worden ist, das entscheidende Motiv seines Berufes als Drucker gewesen. Und damit kommt man schon in die Nähe der Hypnerotomachia Poliphili, der die Sehnsucht nach einer besseren, nach einer pagan-erotisch gestimmten Gegenwart aufs Schönste eingeschrieben und eingezeichnet ist. Eine Sehnsucht nach einer Gegenwart, die nur dank der neuen Buchtechnik textuell fundiert werden kann. Schon die ersten Zeilen der Erzählung des eingeschlafenen und dann in einen Traum erwachten Poliphil deutet Schmeiser um zu einer Erzählung von einem Paradies, in dem Zypressen, Blumen usw. als ebensoviele Pressen, Bücher, Blätter usw. erscheinen. Die Erzählung erzählt das Zustandekommen des Buches der Erzählung - was nur möglich ist, wenn der Drucker der Erzähler ist: mittels der neuen Technik eigentlich ein archaischer Schreiber, der seinen Text selber medial implementiert.
Schmeiser „intermediale“ Lektüre, die einen gewaltsam chiffrierten Text ebenso gewaltsam dechiffriert, erinnert eingestandenermaßen an Sigmund Freuds Traumdeutungsmethode, die sich ja selber als Bilderschriftenträtselung bezeichnet und sich indirekt auf die Hieroglyphik bezogen hat. Ludwig Volkmann hat 1923 die Hypnerotomachia Poliphili als ein Hauptwerk der Renaissance-Hieroglyphik betrachtet, in welcher das angebliche Verstehen der „ägyptischen Zeichen“ (das auch für Alberti selbstverständlich war) wie von selbst in eine weniger hermeneutische als vielmehr rhetorische Kunst - hieroglyphice scribere - umschlug, welche die Emblematik und Heraldik der frühen Neuzeit inspirierte. Auch Schmeiser analysiert die in der Hypnerotomachia Poliphili vorkommenden quasi-ägyptischen Zeichen auf Obelisken usw. und deutet sie als besonders augenfällige Version des „intermedialen“ Textes. Auch wenn in der Renaissance alle möglichen Altertümer ins Abendland einbrechen, konnte man sie wohl nicht alle gleichartig aufnehmen: darum hat man sie eben ungleichartig verarbeitet.
Aber das entscheidenden Motiv für den Drucker, der so ein rätselhaftes Buch verfaßt und druckt, sieht Schmeiser im Leben des Aldus Manutius: in der Liebe zu seiner Frau, die als junges Mädchen einmal von einem Mönch namens Francesco Colonna vergewaltigt worden war. Gegen diesen korrupten und kriminellen Mönch, den Aldus Manutius noch eines weiteren Verbrechens beschuldigt, chiffriert der Drucker - so wie es nur ein Drucker in Personalunion mit dem Verfasser tun kann - seine Anklagen in sein Buch. Der Drucker habe auch kriminalistisch-verfolgend - und auch deshalb hieroglyphisch d. h. übermäßig stark chiffrierend - geschrieben, so die Schlußthese von Leonhard Schmeiser. Und mit diesem Insistieren nicht nur auf der Materialität und Sperrigkeit der Medien sondern auch auf der Realität von Taten, von sogenannten Untaten, verbindet er eine Kehrtwendung gegenüber der Psychoanalyse, welche die harten Tatsachen allzugern in die Innerlichkeit abschiebe, um sie dort als „Unbewußtes“ wieder ausgraben zu können.
Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Walter Seitter, 17. Mai 2004
ad Christina Maier: Echo des Schweigens, 2003
… eine ethnologische Studie, die versucht ein für uns völlig unverständlich-grausames Ritual in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Cristina Maiers Absicht liegt weder in der Dämonisierung der genitalen Verstümmelung noch will sie sie als sogenanntes „Übergangsritual idealisieren“. Sie lässt uns vielmehr an ihren widersprüchlichen Gefühlen teilhaben, wie es die Ethnologin und Medizinanthropologin Christine Fritz Binder im Vorwort ausdrückt. Wissenschaftliche Erkenntnissuche, Sensitivität und Achtsamkeit den Gefühlen ihrer drei Interviewpartnerinnen aus dem Sudan bzw. Äthiopien gegenüber, stehen in einem ausgewogenen Verhältnis …
„ORF Hörfunk-Reihe ” „Kontext-Sachbücher in Themen”, Österreich 1, Präsentation durch Thomas Haunschmid, 05. März 2004
ad Literarischer Reigen, 2003
Was mich besonders freut, ist das vor Weihnachten erschienene Buch ‚Literarischer Reigen’ mit Beiträgen von Dichtern und Dichterinnen aus Maria Enzersdorf. Damit wurde ein Vorhaben verwirklicht, das in Österreich bislang einmalig ist.
Unser Ort, Horst Kies, 02/2004
ad Anita C. Schaub: FrauenSchreiben, 2004
Es ist ein wichtiges, ein spätes Buch, das große Aufmerksamkeit verdient und hoffentlich positive Reaktionen auslöst … Das Buch FrauenSchreiben gehört nicht nur von Politikern, die Rahmenbedingungen für Schriftsteller schaffen, gelesen, sondern auch von Lebenspartnern schreibender Frauen, damit in Zukunft nicht so viel durch widrige Umstände Nichtgeschriebenes verloren geht. Die Phrase ‚Gleicher Lohn für gleiche Arbeit’, seit Jahrzehnten in Parteiprogrammen, diene als abschreckendes Besipiel.
Literarisches Österreich, Organ des Österreichischen Schriftstellerverbandes, Eleonore Zuzak, 02/2004
ad Monika Höglinger: Verschleierte Lebenswelten, 2003
Dennoch bleibt der Band eine überaus lohneswerte Lektüre, weil er es schafft, Vorurteile aufzubrechen, vielleicht sogar mehr Gelassenheit in die teils hitzige Kopftuch-Debatte eindringen zu lassen.
Radio Vaticana, Gudrun Sailer, 10. Januar 2004
ad Christina Maier: Echo des Schweigens, 2003
Selten liest frau jedoch Neues zum Thema. Die kleine, aber feine, auf ethnologische Studien spezialisierte EDITION ROESNER ist eine Ausnahme. Durch die Veröffentlichung der gut lesbaren Arbeit „Echo des Schweigens“ von Cristina Maier wird die Diskussion um FGM bereichert. … Im Mittelpunkt der Studie stehen das Zuhören, das Verstehen-Wollen, das Anerkennen und das Unterstützen der Frauen, die nicht nur Opfer, sondern auch sehr starke Frauen sind.
WeiberDiwan, Christina Buder, Frühjahr 04
ad Christina Maier: Echo des Schweigens, 2003
Im Bemühen um einen respektvollen Umgang mit den Betroffenen will die Autorin 'neokoloniale' Einstellungen zum Thema der genitalen Verstümmelung revidieren ...
Menschenrechte für die Frau, I/2004
ad Richard Heinrich: In einem Traum, durch ein Fenster, 2002
Nicht erst seit den sensationellen Erfolgen eines Umberto Eco oder eines Carl Djerassi boomt das Genre des ‚Professorenromans‘. Ein solcher entsteht, wenn sich ein Gelehrter über das rein Fachliche hinaus von dem von ihm erforschten Thema angezogen fühlt und wenn er das Bedürfnis und vor allem die Fähigkeit besitzt, seine intellektuelle Obsession in einen narrativen Kontext zu stellen.
Richard Heinrich unterrichtet Philosophie an der Wiener Universität, und was für Umberto Eco die theologischen Disputationen des Mittelalters sind, ist für ihn die Frage, wie wohl eine Bilanz der Leistung des René Descartes dreieinhalb Jahrhunderte nach seinem Tod aussehen würde.
Wir treffen Descartes, oder doch wohl einen Wiedergänger, eine Personifikation des „ewigen Philosophen“, eines Nachmittags in einer süddeutschen Kleinstadt der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts beim Joggen und werden einen Tag und zwei Nächte mit ihm verbringen. So steht es geschrieben, doch was nun wirklich Realität ist, stellt genau die Frage dar, an der sich weiland der Protagonist abgearbeitet hat und die Richard Heinrich seinem Lesepublikum zur Lösung aufgibt.
Sein Descartes gleitet schon beim Joggen in der Fantasie in die Wohnhäuser der Umgebung und verliert sich – und damit auch jenes ‚Ich‘, dessen Existenz er aus seiner Denktätigkeit abgeleitet hat – buchstäblich in den Reisen durch die Vereinigten Staaten, die Vladimir Nabokovs schuldbeladener Humbert-Humbert aus ‚Lolita‘ unternommen hat. Ganz offensichtlich stehen alle Ereignisse in einem ‚zähen Zusammenhang‘, doch die Aufklärung, was hier eigentlich geschieht, verweigert Richard Heinrich seinen Lesern.
Ein wohl kalkuliertes System von Anspielungen durchzieht den Text, doch ob es Lösungen bietet oder in Sackgassen führt, weiß bestenfalls der Autor. Hat jener obskure ‚Doktor der Philosophie‘, der uns Humberts Aufzeichnungen einleitet, auch hier seine Hand im Spiel? Oder hat der Professor Heudörfel Recht, wenn es sich auf die mit Kreativität scheinbar zwingend verbundenen Pathologien konzentriert? Und wo liegt die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit?
In jedem Fall: Diese Reise endet in Cambridge, Massachusetts, wo Descartes sein Ich wieder findet und im Gespräch mit einem geheimnisvollen – aber welche Figur in diesem Roman ist nicht geheimnisvoll? – Blinden lernt, dass erst die Blindheit die richtige Erklärung des Sehens liefert. War es diese subversive Erkenntnis, die den Zusammenbruch des René Descartes einleitet, den er bei einer eigenartigen Konferenz eines christlichen ‚Think-Thanks‘ unter dem zeitgeistigen Motto ‚Kraft des Denkens – Kraft der Erneuerung‘ erleidet?
Seltsames geschieht hier: Prominente werden von einem Geheimbund entführt, um ihren medialen Marktwert zu steigern und die angekündigte, intellektuell hochkarätige Veranstaltung schlägt in eine homoerotisch eingefärbte Orgie um. Descartes, der Skeptiker, der dennoch meint, eine Lösung gefunden zu haben, verschwindet und seine Stelle nimmt ein ‚ausländischer Taxifahrer‘ ein, der den Namen Ludwig Wittgenstein trägt und einen abrupten Ortswechsel nach Wien einleitet.
Scheinbar triumphiert Wittgenstein über Descartes, doch was jene ‚Lebenskunst‘ betrifft, der beide nachjagten, markiert er einen Rückfall. ‚Philosophen‘ haben ein gespaltenes öffentliches Image: Sie selbst erleben sich als eine Art Adelsstand unter den Intellektuellen und werden auch gelegentlich so gesehen. Doch es gibt auch das öffentliche Bild vom Philosophen, der außer Stande ist, den buchstäblichen Nagel einzuschlagen.
Heinrichs Protagonisten philosophieren auf hohem Niveau und scheitern auf demselben im Leben. Das allerdings ist kein privates Problem: Die Philosophie, so die letzte Erkenntnis Wittgensteins, ist ein ärgeres Übel als die Eifersucht: ‚Ihre Folter schont keine lebendige Regung, den Trost des Werkes gewährt sie nicht.‘ Manie und Depression markieren die beiden Pole, zwischen denen das Leben derer abläuft, die ihre alltäglichen Zweifel im Korsett der Philosophie zu bewältigen suchen. Als Erzähler und Philosoph ist Richard Heinrich beiden Polen gerecht geworden: In seinem ‚Roman‘ findet sich genauso eine Grundschule fundamentaler Fragen westlichen Denkens wie eine akribische Beschreibung von dessen Blamage.
Viele ‚Professorenromane‘ sind unerträglich ernsthaft – Heinrichs Beschreibung, wie seine Protagonisten versuchen, die Balance zu wahren, ist hingegen gelegentlich von einer überbordenden Komik.
Salzburger Nachrichten,Alfred Pfabigan, 22. März 2003